Die Bindungsanalyse: Dieses Coaching hilft dir, deine Angst vor der Geburt abzubauen

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Frau Emma ist Fotografin, 45 Jahre alt und lebt mit ihrer Tochter und ihrem Mann in Hamburg.
In diesem Gastartikel berichtet sie uns davon, wie die sogenannte Bindungsanalyse ihr half, ihre Angst vor der Geburt völlig verschwinden zu lassen.
Und sie verrät uns, auf welche Art die Blumenwiese auf unserem Titelbild dazu beigetragen hat.

Frau Emma erzählt:

 

Mein Bauch wächst.
Er hat inzwischen eine stattliche Größe.
Kein Zweifel: Da drin ist ein Baby.
Ich freue mich sehr über unsere kleine Wunschprinzessin, die sich in mir entwickelt.
Aber allmählich drängt sich mir der Gedanke auf, dass dieses Wesen, das so unproblematisch in meinen Bauch hineingekommen ist, bald da raus muss… und ehrlich gesagt:
Vor der Geburt habe ich einen Heidenrespekt.

Die Angst vor der Geburt lässt mich nicht los

Von Haus aus bin ich eine ziemliche Mimose und kann Schmerzen jeglicher Art nicht sehr gut ertragen.
Außerdem kann bei einer Geburt ja auch so viel passieren!

Jedenfalls lese ich jetzt immer häufiger nachts, wenn ich nicht schlafen kann, Schauergeschichten über Geburten in Internetforen – so dass mein Mann mir inzwischen sogar ein „Google-Verbot“ erteilt hat.
Recht hat er.
Aber so richtig dran halten tue ich mich nicht.
Immerhin habe ich aber mein Suchverhalten verändert:
Ich google nicht mehr meine Ängste.

Ich google Lösungsmöglichkeiten

Schließlich lande ich auf www.bindungsanalyse.de, wo davon gesprochen wird, dass mir eine „Bindungsanalyse“ unter anderem dabei helfen kann, mich auf die Geburt vorzubereiten und mir meine Ängste zu nehmen.
Dort steht:

„Bindungsanalyse – Was ist das?

Die Mutter-Kind-Bindungsanalyse ist eine Form der Schwangerschaftsbegleitung, bei der Sie als Schwangere die Möglichkeit bekommen, mit Ihrem Baby in Kontakt zu treten und so schon vor der Geburt eine tiefe Beziehung mit ihm aufzunehmen.

Als Rahmenbedingung dazu dient eine Entspannungssituation im Liegen, die es Ihnen ermöglicht, sich auf die Wahrnehmung der Signale vom Baby zu konzentrieren. Diese werden sich als Gefühle, Bilder, Gedanken und Phantasien auf einer Art „innerem Bildschirm“ darstellen, auf den sowohl Sie als auch Ihr Baby Zugriff haben. Durch die Einstimmung darauf wird dieser zum Kommunikationskanal, zur „seelischen Nabelschnur“, die Sie mit Ihrem Baby verbindet. Im seelischen Raum zwischen Ihnen beiden entsteht so ein Dialog.

Durch dieses Wahrgenommen-, Gespürt- und Gefühltwerden kann das Baby seine Persönlichkeit optimal entwickeln, Selbstwert und Vertrauen wachsen.

Der Bindungsanalytiker unterstützt Sie in der Kontaktaufnahme, indem er Sie ermutigt, Ihnen Anregung und ggf. Interpretationen gibt oder Ihnen bei eventuellen Blockaden hilft.“

Hm – „…Gefühle, Bilder, Gedanken und Phantasien“, die sich „auf einer Art ‚innerem Bildschirm‘ darstellen, auf den sowohl Sie als auch Ihr Baby Zugriff haben“?
Ich finde, das klingt recht abgehoben und sehr nach Zauberei.
Trotzdem: Irgendwas zieht mich an und ich mache einen Termin mit einer Bindungsanalytikerin in meiner Nähe.

Schon in der ersten Sitzung geht es zur Sache

Die Therapeutin bittet mich, mich entspannt hinzusetzen oder zu legen und lädt mich mit einer Mischung aus autogenem Training und Entspannungsübungen ein, in einen angenehmen, ruhigen und tiefen Zustand zu kommen.

Dann gibt sie mir den Auftrag, mit meiner Gebärmutter in Kontakt zu treten und „um Einlass“ zu bitten.
Über die Gebärmutter wird der Kontakt zum Baby im Bauch hergestellt und genau das wollen wir tun:
Kontakt zur Seele meines ungeborenen Kindes aufnehmen.

Ich bezweifle stark, dass das so funktionieren kann, aber ich lasse mich trotzdem versuchshalber darauf ein.
Und tatsächlich formen sich in mir Gedanken und Bilder.
Ich finde das abgefahren und frage mich die ganze Zeit, ob diese inneren Bilder nicht vielleicht einfach nur bunte Konstrukte meiner Fantasie sind.
Aber eigentlich bin ich gar nicht so fantasievoll…

Die Bindungsanalytikerin moderiert meine innere Reise; ich liege einfach da und „sehe“ mit geschlossenen Augen, „horche“ in mein Inneres

Zunächst meldet sich meine Gebärmutter zu Wort.
Sie will von mir ein bisschen Anerkennung für die Arbeit, die sie gerade leistet. Vorher will sie mich nicht hinein und zu meinem Baby lassen.

Ich bin überrascht über diese Forderung, sehe aber ein, dass sie in der Tat großartig ist und bewundere, welche enorme Leistung dieses Organ für mich vollbringt.
Still lasse ich ihr meine Dankbarkeit zufließen.
Ohne sie gäbe es mein Baby nicht!

Sie lässt mich hinein.
In meiner Visualisierung sieht ihr Inneres für mich aus wie eine rosarote Wabe, aber ich sehe zunächst kein Baby.
Doch dann erscheint vor meinem geistigen Auge ein dunkelhaariges Krabbelbaby, das leider noch nicht sprechen kann.
Na wunderbar, das mit der Kommunikation kann ja heiter werden.

Meine Tochter versteckt sich vor mir.
Ich sehe und fühle, dass sie sehr schüchtern ist und viel Angst hat.
Ich gehe zu ihr und nehme sie auf den Arm.
Sie entspannt sich und fängt an, mich fragend anzusehen.

Ich merke, dass sich meine Tochter vor der unbekannten Welt außerhalb des Bauches fürchtet…

…ungefähr so, wie ich mich vor der Geburt fürchte.
Das weckt eine Kraft in mir, von der ich nicht wusste, dass ich sie habe.

Plötzlich fühle ich mich nicht mehr ausgeliefert.
Dieses kleine Wesen hat sich mir anvertraut und ich werde ihr der Halt sein, den sie so sehr braucht.
Wir sind ein Team und werden alles, was kommt, zusammen meistern!

Ich lasse meine Tochter in Gedanken wissen, dass ich auf sie achtgeben werde, dass ich auch außerhalb ihr sicherer Hafen sein werde, und dass ich ihr helfen werde, mit allem zurechtzukommen, was auf sie zukommt.
Ich beschreibe ihr, wie ich außerhalb meines Bauches aussehe, ich beschreibe ihr ihren Papa, ihre Großeltern, ihre Halbgeschwister.
Ich sage ihr, dass es viel Schönes gibt, das auf sie wartet und dass sie entdecken kann.

Sie sieht mich ein bisschen skeptisch an, und etwas verständnislos.
Ich merke, dass ihr das alles zu abstrakt ist.

Schließlich sage ich ihr, dass ich ihr jetzt etwas Schönes zeigen werde

In Gedanken gehe ich mit ihr zu einer wunderschönen, wilden, bunten Blumenwiese.
Dort zeige ich ihr die verschiedenen Blumen und die Schmetterlinge.
Wir breiten eine Decke aus und setzen uns.

Um uns herum wuchern hohe Gräser und Blüten, wir hören die Vögel zwitschern und die Bienen summen, wir riechen trockenes Sommergras und süße Blütenpollen, wir fühlen die Sonne, die warm auf unser Gesicht scheint.
Sie lacht mich an.

Nach einer Weile gehen wir zurück zu ihrer Gebärmutterwabe, und ich verabschiede mich und verspreche, bald wieder zu kommen.

Wir kommen uns näher und näher

Normalerweise werden etwa 10 Sitzungen für die Bindungsanalyse zur Vorbereitung auf die Geburt angesetzt, aber ich bin schon recht fortgeschritten in meiner Schwangerschaft und komme nicht mehr in den Genuss von allen Sitzungen.
Trotzdem baue ich in dieser Zeit einen regen Kontakt zu meiner Tochter auf.

Inzwischen schickt sie mir auch außerhalb unserer Sitzungen „Botschaften“, indem plötzlich Bilder in mir auftauchen.
Meine Angst vor der Geburt ist kein Thema mehr, obwohl ich es überhaupt nicht bis zu den wirklich geburtsvorbereitenden Sitzungen geschafft habe.

Stattdessen ist da ja jetzt dieser Kontakt, dieses Wesen, mit dem ich kommuniziere – so abgefahren das auch klingt und mir immernoch selbst vorkommt.

Ich weiß, dass wir gemeinsam die Geburt meistern werden.
Ich weiß, dass ich ihr sagen kann, dass sie sich, bevor sie sich auf den Weg macht, vergewissern soll, dass die Nabelschnur nicht um ihren Hals liegt.
Ich weiß, dass ich sie beruhigen und vorbereiten kann, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert, wie z.B. ein Notkaiserschnitt.
Und ich weiß, dass sie mir vertraut.
Und ich vertraue ihr.

Unsere Tochter wird an diesem Sonntag drei Jahre alt

Sie ist dunkelhaarig, wie ich es gesehen habe (wir Eltern sind blond), und sie ist ein sehr fantasievolles Kind.
Sie ist auch heute noch schüchtern und zurückhaltend und braucht mich oft noch als ihren sicheren Hafen. Ich gebe ihr dies gern, solange sie es möchte.
Sie vertraut mir.
Ich vertraue ihr.
Und: sie liebt Blumenwiesen!

 

Wollt ihr mehr über dieses Thema erfahren?

Dann schaut doch mal auf www.bindungsanalyse.de vorbei!
Dort gibt es weitere Informationen und eine Liste mit Therapeuten, die auf dieser Grundlage arbeiten.

Es ist auch möglich, die Bindung zu bereits geborenen Kindern zu stärken und sogar Erwachsene können sich damit befassen, welche vorgeburtlichen Bindungserfahrungen sie selbst gemacht haben.
Eine Aussöhnung damit kann Menschen sehr viel Frieden geben und auf vielen Ebenen körperliche und psychische Heilung herbei führen.
Mehr dazu bald hier bei Mamagogik!

Kategorie Allgemein

Hallo! Ich heiße Luisa Marinelli, bin 30 Jahre alt und komme aus dem schönen Südhessen. Dort lebe ich mit meinem Lebensgefährten und unseren zwei Katern. Seit 2006 bin ich Erzieherin und im Kindergarten tätig. Dort arbeite ich bedürfnisorientiert und verschlinge in meiner Freizeit zahlreiche Literatur, um mich weiter zu bilden. Es ist mir wichtig, Kindern auf Augenhöhe zu begegnen und ein Miteinander zu leben, das auf gegenseitiger Achtung basiert. Seit einiger Zeit schreibe ich unter dem Namen "Luma Ri" über die bedürfnisorientierte Arbeit im Kindergarten - und nun auch hier, bei Mamagogik. Ich freue mich auf die Zeit mit euch! :)

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