Kindgerecht erklärt: „Was bedeutet Tot sein? Und was ist eine Seele?“

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In unserer Reihe „Kindgerecht“ möchten wir euch Beispiele zeigen, wie ihr auch anspruchsvolle Dinge mit Kindern bedürfnisorientiert besprechen könnt.

Felicity ist 3 Jahre alt und ihre Katze ist gestorben.
Sie möchte wissen:

„Was heißt ‚Tot sein‘? Und was ist eine Seele?“

Unsere Gastautorin Sabine Elvert anwortet:

Hallo Felicity!

Vielleicht hast Du schon einmal im Kindergarten einen Jahreszeitenkreis gesehen:

Es gibt den Frühling, wo alles anfängt zu wachsen, dann den Sommer wo es am meisten blüht und dann den Herbst, wo alles langsam sich verändert, die Blätter fallen, keine Blüten mehr.
Weißt Du, was dann kommt?
Der Winter!
Keine Blätter, kein Gras, keine Blumen. Alles steht still, und ruht sich aus.

Ziemlich ähnlich ist das mit dem Leben, alles hat seine Zeit.
Man wächst auf, wird erwachsen, dann wird man alt und irgendwann stirbt man auch.
Das tun alle, ob nun Katze, Hund, Wurm, Maus, Blume oder Mensch.

Wenn jemand stirbt, den wir lieb haben, dann bleibt nur noch seine Hülle zurück. Er atmet nicht mehr, der Körper funktioniert nicht mehr und er spürt auch nichts mehr.
Es ist wie ein Pullover, wenn Du ihn anziehst, bewegt er sich durch dich. Trotzdem ist er nicht lebendig.
Irgendwann ist er Dir zu klein und Du wirst ihn nicht mehr tragen können.
So ähnlich ist das mit dem Tod.
Man lässt seine Hülle hier zurück, aber das, was einen als Mensch oder Tier ausgemacht hat, das ist weg.

Viele Menschen glauben, dass es die Seele ist, die dann in den Himmel geht, und dort andere wieder trifft, die schon vorher gestorben sind.
So ganz genau weiß das aber keiner, denn es konnte uns ja noch keiner erzählen.

Vielleicht magst Du Dir mit Deinen Eltern ein Buch dazu anschauen.
Mein Vorschlag wäre ‚Auf Wiedersehen, kleiner Vogel!‘ von Maja Bach.“

Sabine Elvert ( 42) ist Mutter von drei Kindern und arbeitet unterstützend bei einem ambulanten Hospizdienst.
Sie besucht präventiv Kindergärten und Schulen, um dort mit den Kindern allgemein über das Thema Tod zu sprechen und Eltern und Erzieher zu passenden Büchern zu beraten.
Als Gastautorin schreibt sie bei Mamagogik über ihre Arbeit und bereichert uns als Fachfrau bei Fragen zum Thema Tod und Sterben mit ihrer Praxiserfahrung.

 

Möchtet ihr auch Anregungen, wie ihr eine bestimmte Kinderfrage bedürfnisorientiert beantworten könntet?
Dann schickt die Frage zusammen mit Namen und Alter eures Kindes an Mamagogik@gmail.com. Vielleicht seid ihr dann schon im nächsten Teil unserer Serie dabei!

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Kategorie Elternschaft, Elternschaft

Hallo, ich heiße Sabine, bin 43 Jahre alt und wohne mit Mann, Kindern und Katze im Berliner Speckgürtel. Ich arbeite ehrenamtlich im ambulanten Kinderhospizdienst und helfe Eltern, Kinder und Lehrer mit dem schwierigen Thema Trauer, Tod und Sterben umzugehen.

4 Kommentare

  1. Pingback: Willkommen im Team, Sabine – Mamagogik

  2. Hallo Sabine, hier ist die Mama von Felicity. Inzwischen ist es fast auf den Tag 3 Monate her, dass unsere Katze gestorben ist. Das Thema Tod ist nun nicht mehr so präsent. Sie ist eigentlich gut damit zurecht gekommen. Nun spielt sie ab und zu, dass sie die Katze sei. Dazu legt sie sich meist auf den Boden oder krabbelt auf allen Vieren durch die Wohnung und sagt, sie sei Paulchen. Ich streichle sie dann meist wie ich es bei Paulchen getan habe.
    Als wir jetzt auch wieder im Garten waren hat sie sein Grab eigentlich gar nicht beachtet.
    Da ich aber wohl noch nicht so weit bin wie sie, kamen mir schon gleich zu Beginn des Textes und auch jetzt beim Schreiben die Tränen. Im Alltag ist er leider schon sehr weit weg. Nur wenn ich direkt oder indirekt damit konfrontiert werden, bricht bei mir der Damm.
    Ich werde an deinen Text denken, wenn sie wieder einmal damit ankommt. (Was mir gerade einfällt, ich hab ihr jetzt auch mal zwei ganz junge Vögel gezeigt, die gestorben waren. Einfach, damit sie „lernt“ bzw. merkt, dass es dazu gehört, natürlich ist und ihr ein Abschied vielleicht mal nicht so schwer fallen wird wie mir.)

    • Sabine Elvert

      Liebe Yvonne,
      durch das aktive Spielen verarbeitet Deine Tochter noch immer den Verlust. Der Tod ist ist einfach noch zu abstrakt, das er im Grab liegt. Kinder haben ganz feine Antennen, sie wird merken, das Du selbst noch leidest. Das ist okay und durchaus hilfreich für einen normalen, gesunden Umgang.
      Ich freue mich, wenn ich Dir ein wenige helfen konnte. Vielleicht findest Du für Dich selbst einige tröstende Rituale zur Trauerbewältigung. Du musst auch garnicht „soweit sein“. Es wird Tage geben, da wirst Du ohne Tränen mit einem Lächeln an ihn denken, es wird besser. Das ist das Schöne daran, als Erwachsener weis man, das es irgendwann wieder besser wird. Und Kinder sollten dabei zuschauen dürfen, damit auch sie lernen, was weiterleben und Hoffnung ist. Ich drück Euch und vor allem auch Dir die Daumen und wünsche Euch alles Liebe ! Liebe Grüße Sabine

  3. Pingback: Kindgerecht: „Was ist, wenn Mama und Papa sterben?“ – Mamagogik

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