10 Alternativen zu einer Time-Out-Maßnahme

Wenn ein Kind knapp 18 Monate alt wird, kommt es so langsam in die Phase in der Frustration, Weltschmerz und Verzweiflung zur Tagesordnung gehören. Eine Zeit, die Eltern gern überspringen würden, weil es unheimlich anstrengend werden kann. In der Überforderung und Hilflosigkeit greifen Eltern gern zu einer Time-Out-Maßnahme, damit das Kind sich wieder beruhigen kann. Warum dies jedoch wenig hilfreich ist und was wir im Umgang mit Kindern stattdessen machen können, erkläre ich im Folgenden.

Ich liebe unsere Tagesmutter, das tue ich wirklich. Sie hat eine tolle Beziehung zu meiner Tochter (18 Mon.) und jedes Mal, wenn ich sie nach der Arbeit dort abhole, habe ich wirklich das Gefühl, sie gehört, neben den eigenen Töchtern der Tagesmutter, einfach zur Familie.
Das erleichtert mir die Beziehung zu meinem Arbeitsleben sehr. Ich weiß einfach sie ist dort gern und ich bin mir eben so sicher, dass sie dort gut aufgehoben ist.

Nun kommt meine Tochter jedoch langsam ihrer Autonomiephase immer näher. Sie war schon als Säugling wirklich sehr willensstark und wir als Eltern finden es toll, da sie ihre Bedürfnisse immer offen bei uns einfordert und wir darauf reagieren können. Sie gibt uns zu verstehen, ob sie Durst hat, ob sie müde ist, verteilt Küsse und Umarmungen nur wenn ihr danach zumute ist und gibt genau an, was sie will und was sie nicht will.

Da ihre Wünsche jedoch ab und an mit unseren Grenzen oder Bedürfnissen kollidieren, gibt es natürlich ab und an kleinere „Dispute“. Das kann von kleinen Gesten wie einem Schmollmund über einen sehr tiefreichenden Weltschmerz, bis hin zu einer kleinen Reaktorschmelzung im Köpfchen unserer Eineinhalbjährigen reichen.
Das Repertoire reicht hierbei von kleinen „Schauspieleinlagen“ bis hin zu oskarreifen Wutausbrüchen. Auf den Boden werfen, mit den Beinen strampeln und hochtönige Kreischtiraden sind dabei natürlich inklusive. Ich denke jeder der Kinder in dieser Phase ihrer Entwicklung kennt, der weiß wovon ich schreibe.
Diese Situationen begegnen uns immer öfter, nicht täglich, aber doch nicht selten. Und ich habe mich damit abgefunden, dass dies Wahrscheinlich erst der Anfang ist (ich lese ja eine Menge anderer Mamablogs ;)).

Nun kam es jedoch in der vergangenen Woche zu dem Fall, dass unsere Tochter zum ersten Mal auch in der Betreuungszeit der Tagesmutter mit diesen Gefühlsausbrüchen zu tun hatte und die Tagesmutter nun reagieren musste.
Die Tagesmutter gewöhnt zur Zeit ein neues Kind ein – ein 8 Monate junges Baby. Zum ersten Mal seit der halbjährigen Betreuungszeit ist meine Tochter also nicht das jüngste Kind. Sie muss somit zum ersten Mal erleben, wie es ist, wenn ihrem Bedürfnis nach Nähe nicht direkt nachgekommen wird, da das Baby erst versorgt werden muss.

Eine normale Situation, an die sie sich gewöhnen wird/muss werden wir Erwachsenen jetzt sagen. Totaler Weltuntergang, würde uns meine Tochter sicherlich entgegnen, wenn sie es so formulieren könnte.

Es kam also wie es kommen muss: Mein Kind lebte, wie immer, im Hier und Jetzt und merkte somit Just-in-Time, dass Geduld irgendwie noch so gar nicht auf ihrem Entwicklungsplan steht. Also: Alarmstufe Rot im Kopf des Kleinkindes. Und was tut unsere aller liebste Lieblings-Tagesmutter? Sie nimmt sie auf den Arm, sagt ihr ruhig und bestimmt, dass sie glaubt, dass sie sich „mal abkühlen muss“, bringt sie aus dem Wohnzimmer in den Vorraum und setzt sie auf die Treppe! Hier dürfe sie sich nun so lange aufhalten, bis meine Tochter selbst meine, dass sie wieder lieb wäre und sich beruhigt habe.

Als die Tagesmutter mir also am Nachmittag davon berichtete, war ich erst einmal sprachlos. Direkt hatte ich das Bild von meinem kleinen Würmchen im Kopf, wie es einsam auf der großen Treppe saß. Mit wenig niedlichem Wutanfall, klar, aber auch ganz allein mit ihrer Wut. Und auch allein mit ihrem Kummer, ihrer Angst.

Ich nahm den Bericht der Tagesmutter erstmal zur Kenntnis und nahm mir vor, an diesem Tag nicht mehr darüber zu reden. Ich wollte uns beiden erst einmal etwas Abstand zu dieser Situation geben. Ich überlegte mir noch einmal genau, warum wir anders damit umgehen und vor allem wie wir damit umgehen. Wir tauschten uns als Eltern noch einmal untereinander aus, damit ich sicher sein konnte, dass ich der Tagesmutter am nächsten Tag auch wirklich unsere gemeinsame Haltung präsentieren konnte. Ich wollte aber auch ihren Standpunkt nicht außer Acht lassen, denn ich wollte sie verstehen.

Was ist eine Auszeit und wofür soll sie gut sein?

Spätestens seitdem die damalige TV-Show der ‚Super-Nanny‘ lief, dachten alle „aufgeklärten“ Eltern, dass die stille Treppe eine tolle Alternative wäre, um Kindern eine Auszeit zu gönnen. Indem man als Erwachsener das „unkooperative“ Kind in diese Pause schickte, hätte das Kind genügend Zeit um „herunter zu fahren“ und auch über die vorangegangene Situation nachzudenken.

Diese Methode stammt aus der Verhaltenspsychologie. Hier werden den positiven Verhaltensweisen eines Kindes belohnt und negatives Verhalten wenig Aufmerksamkeit entgegen gebracht, ignoriert oder mit Konsequenzen belegt.
Dem Kind soll somit vermittelt werden: dein Verhalten akzeptiere ich nicht, es bekommt von mir keine Aufmerksamkeit. Wenn du dich meinen Wünschen entsprechend verhältst bekommst du wieder die Aufmerksamkeit von mir, die du dir wünschst.

So funktioniert Erziehung – werden sicherlich viele Erwachsene denken. Auch ich habe noch vor einigen Jahren so gedacht. Und dass es die richtige Vorgehensweise ist, hat die Methode selbst bestätigt, denn es hat tatsächlich immer wieder geholfen. Die Kinder tobten die erste Zeit vielleicht noch, aber irgendwann gaben sie auf und verhielten sich so, wie wir, die Erwachsenen es erwarteten.

Dass diese Methode jedoch nur funktionierte, weil die Kinder von Natur aus darauf aus sind, weil sie vermeiden wollen bestraft zu werden und somit gar keinen Bezug zu der eigentlichen Situation finden, war mir damals noch nicht klar. Und auch nicht, dass sie es aus Angst vor dem Liebesentzug tun.

Trennungsschmerz Kindergarten

Die Alternativen

Ich ging also davon aus, dass es der Tagesmutter wie mir noch vor ein paar Jahren ging: sie geht davon aus, dass diese Methode wichtig für die Erziehung meiner Tochter sei. Wichtig um ihr zu zeigen, dass ein derartiges Verhalten unerwünscht ist und ihr die Möglichkeit geben wollte für ein Cool-down.

Was aber konnte ich ihr als Alternativen anbieten? Ich überlegte wie wir es tun und recherchierte nach weiteren Möglichkeiten, die eine Time-Out-Maßnahme überflüssig machen und möchte diese Gegenmaßnahmen gern auch mit euch teilen:

1. Keep calm – Sei ein Vorbild

Ja, diese Wutausbrüche können manchmal wirklich nervig sein, Kräfte rauben und an die eigene Substanz gehen. Es hilft jedoch, wenn man sich als Eltern immer wieder vor Augen führt, dass diese Situation auch für das Kind sehr anstrengend ist.
Sei dir darüber bewusst, dass auch du frustriert bist, wenn deine Erwartungen und Wünsche nicht erfüllt werden. Wir können es als Erwachsene (im besten Fall) nur besser kontrollieren.
Wenn du selbst ruhig und ausgeglichen in diese Situation gehst, kann sich die Haltung besser auf dein Kind übertragen und es merkt, dass Gelassenheit der Schlüssel ist, um eine Frustration bewältigen zu können.

2. Halte die Gefühle aus, begleite und spiegle

Es ist sicherlich nicht immer einfach die extremen Gefühle des Kindes auszuhalten. Oft liegt es an unserer eigenen Verfassung. Sind wir gerade vielleicht eh übermüdet, genervt vom Job und fühlen uns gestresst, dann liegt unsere eigene Reizschwelle ebenfalls viel niedriger. Jedoch haben wir einen deutlichen Vorteil dem Kind gegenüber: wir können für unser Verhalten die Verantwortung übernehmen und kennen Möglichkeiten uns selbst zu beruhigen. Kinder müssen diese Fähigkeit erstmal lernen und dabei benötigen sie unsere Unterstützung.
Indem wir den Kindern sagen, was da gerade mit ihnen passiert („Du bist gerade sehr wütend, das kann ich verstehen.“) geben wir ihnen das nötige Werkzeug, um eines Tages genau diese Gefühle benennen zu können, ohne sie übermäßig ausleben zu müssen.
Ein weiterer wichtiger Vorteil ist, dass die Kinder sich nicht allein gelassen fühlen. Sie merken so, dass sie sich immer auf ihre Bindungsperson verlassen können und sie so akzeptiert werden, wie sie sind. Und das ist es doch, was auch wir Erwachsenen uns auch von unseren Mitmenschen wünschen, daher dürfte der Wunsch danach gut für uns zu verstehen sein.

3. Biete Trost an

Und was gibt es Schöneres, als von dem Menschen, mit dem wir gerade eigentlich eine Auseinandersetzung haben, tröstend in die Arme genommen zu werden?
Das ist doch ein tolles, geborgenes Gefühl, oder etwa nicht? Es zeigt uns: egal was ist, auch wenn wir mal böse aufeinander sind, unsere Herzen finden doch wieder zueinander. Wir können uns auf die Liebe und Freundschaft des Anderen verlassen. Egal wie ich mich gerade fühle, mein Gegenüber sieht mich und möchte dass wir wieder gut miteinander umgehen.

Und auch Kinder lieben ihre Eltern bedingungslos, halten schwerwiegendes Fehlverhalten aus – da sollten wir Erwachsene ebenfalls leicht über unseren Schatten springen können.

Mutter Kind Beziehung

4. Begegne deinem Kind auf Augenhöhe

Es ist schwer die Autoritätsrolle aus den Köpfen der heutigen Erwachsenen zu bekommen. Oft haben wir das Gefühl wir müssen das Ruder übernehmen, um ein Umdenken bei dem Kind zu erzielen. Und natürlich haben die erwachsenen Bezugspersonen die Pflicht, die Führung der Familie zu übernehmen. Allerdings geraten wir leider immer wieder in die Situation, dass wir diese Macht missbrauchen und dabei die Bedürfnisse und die Persönlichkeit Anderer übersehen.
Wenn wir das Kind also aus der Situation schicken, Konsequenzen verhängen und Machtworte gebrauchen, dann handeln wir vermutlich so, wie wir einen Erwachsenen in einem Streit niemals behandeln würden. Wir bestimmen über das Kind und geben vor, dass es nur diesen einen Weg gibt: so zu handeln, wie wir es für richtig halten.
Ich glaube aber, dass wir niemals unseren Partner beispielsweise in einem Streit auf einen Stuhl in die Ecke oder einen anderen Raum kommandieren würden. Und warum? Weil wir einem Erwachsenen keine Vorschriften machen können/wollen. Weil wir vielleicht befürchten, dass unser Partner uns dann verlassen könnte. Oder weil wir der Meinung sind, es ändert nichts an der eigentlichen Situation und löst auch das Problem nicht.
Wieso sollte es dann bei einem Kind nachhaltig funktionieren ohne die Beziehung zu beeinträchtigen?

5. Geht aufeinander zu, anstatt euch voneinander zu entfernen

Wenn Menschen miteinander streiten, dann distanzieren sich nicht nur ihre Meinungen und Herzen von einander. Sie gehen auch räumlich oft auf Distanz zu einander. Sie drehen sich voneinander weg, lehnen sich mit verschränkten Armen nach Hinten, stehen einige Schritte voneinander entfernt oder schreien sich gar aus dem Nebenzimmer an. Achtet vielleicht einmal darauf, wie weit ihr von eurem Streitpartner entfernt seid, wenn es zu einer Auseinandersetzung kommt.
Ich habe mal den Versuch gemacht und ich kann euch sagen, dass es beinahe unmöglich ist, sich zu streiten und dabei beispielsweise die Hand des Anderen zu Halten.
Wenn das Kind also einen Wutanfall bekommt, ladet es dazu ein, dass ihr euch auch körperlich wieder näher kommt. Fragt es, ob es eine Umarmung haben möchte. Bietet an, gemeinsam ein Buch zu lesen und dabei auf eurem Schoß zu sitzen oder bietet an, gemeinsam ein Spiel zu spielen.
Ein Time-In fördert nicht nur eure Beziehung, sondern gibt eurem Kind genau die Aufmerksamkeit, die es gerade braucht. Ihr belohnt es dabei nicht für sein Verhalten, sondern zeigt ihm, dass der Kontakt zu den Bezugspersonen Balsam für die Seele sein kann.

6. Nimm dir eine Eltern-Auszeit

Manchmal geht es jedoch nicht anders und als Mama oder Papa haben wir das Gefühl jeden Moment zu explodieren, wenn das Kind nicht sofort aufhört zu weinen, zu quengeln oder zu wüten.
Keine Sorge und kein schlechtes Gewissen – wir sind alle nur Menschen und schwingen mit unserer Umgebung mit. Jeder hat seine Grenzen und benötigt eine Auszeit. Und machmal ist es ohne diese Pause gar nicht möglich noch angemessen zu reagieren.
Wichtig ist, dass ihr für diese Auszeit Verantwortung übernehmt. Schaut eurem Kind in die Augen und sagt ihm/ihr, dass ihr eine kurze Pause benötigt. Dann fragt euren Partner, ob er die weitere Situation begleiten kann und trinkt einen Tee oder geht kurz vor die Tür und macht einen Spaziergang. Das tut nicht nur euch gut, weil ihr Abstand zu der Situation gewinnen könnt und wieder gestärkt in den Umgang mit eurem Kind treten könnt, sondern bringt auch eurem Kind etwas. Manchmal ist es für Kinder nämlich äußerst wohltuend mit einer anderen Person noch einmal neu anzufangen. Das bringt frischen Wind und Emotionen in die Situation und oft kann der vorherige Weltschmerz schon mit einem lieben Lächeln und einer Umarmung einer unbeteiligten Person, aus der Welt geschaffen werden.

Manchmal ist aber niemand zur Stelle, der dich ablösen könnte. Vielleicht ist der andere Elternteil gerade arbeiten, einkaufen o.ä.
Hier musst du dir selbst eine Auszeit verordnen, ohne dein Kind allein zu lassen. Nimm wieder Augenkontakt zu deinem Kind auf, sag, dass du eine kurze Pause benötigst und biete an, dass auch dein Kind kurz Luft holen kann. Macht euch beiden einen Tee oder sag deinem Kind, dass du kurz im Nebenraum bist. Lass‘ die Tür auf, und atme ein paar Mal tief ein und aus. Mache dir klar, dass dein Kind dich gerade braucht und sich nur beruhigen kann, wenn auch du ruhig bist.

7. Biete Alternativen an

Wenn wir Erwachsenen sauer oder enttäuscht sind hören wir Musik, die uns wieder glücklich macht, wir lenken uns mit Beschäftigungen ab, machen Sport oder rufen die beste Freundin an oder gehen ein Bierchen mit dem besten Kumpel trinken.

Kinder weinen, schreien, quengeln, spucken, treten oder schmeißen sich auf den Boden. Sie werden impulsiv, weil sie noch nicht gelernt haben sich selbst zu beruhigen oder ihrem Frust anders zu begegnen. Das lernen sie erst durch uns, indem sie es sich abschauen oder weil wir ihnen Alternativen anbieten.

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Das Werfen oder Kneten eines Stressballes kann bereits eine Lösung sein. Boxt gemeinsam in ein Kissen oder schreit lauthals hinein. Manchmal hilft es Kindern aber auch ein Wutbild zu malen – ein Wachsstift in die eine Hand und ein Blattpapier vor die Nase und los geht es. Oder tanzt gemeinsam ausgelassen zu lauter Musik und macht einen gemeinsamen Wuttanz. Probiert ruhig gemeinsam einige Alternativen aus und wendet an, was euch beiden Erleichterung schafft.

8. Lass dein Kind teilhaben

Wenn ein Anderer über uns bestimmt, frustriert das, denn dann haben wir keine Kontrolle über die Situation und fühlen uns hilflos.
Wenn dein Kind eine Grenze spürt, geht es ihm genau so. Wenn du deinem Kind jedoch die Chance gibst, mitzuwirken wird es die Grenze besser akzeptieren können.

Anstatt direkt nein zu sagen, biete eine Alternative zur Auswahl an.
Sagen wir dein Kind möchte gern über die Straße rennen, das ist dir aber natürlich zu gefährlich. Biete deinem Kind an, dass ihr beiden Hand in Hand über die Straße rennt, Hand in Hand.
Oder es möchte unbedingt etwas Anziehen, was du für die Jahreszeit nicht angemessen empfindest. Biete deinem Kind zwei alternative Kleidungsstücke an. Indem dein Kind entscheiden darf, hat es das Gefühl selbst zu entscheiden zu können.

9. Löst das Problem gemeinsam

Dein Kind ist frustriert, weil es an seine eigenen Grenzen stößt oder sich an deiner Grenze reibt. In dem du nun Verbote aussprichst hinderst du dein Kind daran aus dieser Situation etwas zu lernen. Du übernimmst die Verantwortung und dein Kind muss sich mit dieser Gegebenheit abfinden. Das ist vielleicht die schnellere Lösung, aber nicht die effektivere.

Frag dein Kind, warum es unbedingt genau das jetzt tun möchte oder sich genau so gerade verhält. Versuche zu verstehen, mit welchem Problem dein Kind gerade hadert. Wenn du verstehst, worum es deinem Kind eigentlich geht, findest du vielleicht bereits eine Lösung, an die du vorher gar nicht gedacht hast. Indem du dich auf die Augenhöhe deines Kindes begibst, nimmst du direkt etwas Anspannung aus der Situation und bietest Raum einen Perspektivwechsel einzunehmen. Für euch beide.

Überlegt gemeinsam wie ihr das Problem lösen könnt. Kinder sind dabei sehr kreativ und du hast die Chance deinem Kind beizubringen, warum dieses und jenes vielleicht nicht funktioniert. Lass dein Kind verschiedene Möglichkeiten ausprobieren. Auch wir Erwachsenen lernen am besten über das Try-and-error-Prinzip.

10. Lass natürliche Konsequenzen walten

Manchmal schalten wir Eltern uns in einen Lernprozess ein und unterbinden damit, dass unser Kind von den natürlichen Konsequenzen lernt. Das ist normal, wir wollen nicht, dass es sich verletzt, krank wird, oder mit einem anderen Kind Streit hat. Kinder in der Autonomiephase haben jedoch noch Schwierigkeiten dabei vorausschauend zu denken und demnach angemessen zu handeln.

Dein Kind will die Jacke nicht anziehen, wenn ihr das Haus verlassen wollt? Pack die Jacke ein und lass es ohne aus dem Haus gehen. Wenn es friert, biete die Jacke wieder an und sage dabei, dass es ja auch sehr kalt ist. So lernt es Ursache und Wirkung miteinander zu verknüpfen und es reicht beim nächsten Mal vielleicht, wenn du erwähnst, dass es kalt draussen ist.

Fazit

Die Autonomiephase kann sehr anstrengend sein – für alle Beteiligten. Wichtig ist, dass du dir bewusst machst, dass dein Kind zu diesem Zeitpunkt besonders viel Unterstützung benötigt. Begleite es in dieser Phase seine eigenen Rückschlüsse zu ziehen und sorge dafür, dass ihr aus dieser Situation in eine weniger angespannte Situation findet. Sei ein Vorbild und lasse dein Kind lernen. Hole dir Unterstützung und beteilige dein Kind an der Lösung des Problems.

Steckt ihr auch gerade mitten in dieser Phase? Was hilft euch, nicht die Nerven zu verlieren? Oder habt ihr vielleicht bereits Erfahrungen mit den genannten Methoden gemacht? Wie hat es funktioniert? Was macht ihr anders? Lasst uns teilhaben und hinterlasst einen Kommentar.

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23 Kommentare

  1. Arme Sarah, grausiges Gefühl, oder? Scheint immernoch überall Methode der Wahl gegen alles mögliche zu sein.. Die Situation kommt mir sehr bekannt vor.

    • Es ist einfach schlimm, dass diese Methode als so pädagogisch wertvoll angepriesen wurde und wird und nur wenige sich bewusst darüber sind, was sie damit bewirken.

      • Ich habe allerdings auch recht vergeblich nach Erzieher- Literatur gesucht, in der dieser Unsinn nicht steht. Es wird einfach gelehrt, in jeder Kita wird das so gehandhabt. Ich rede mit J und sag ihm, das das nicht meine Methode der Wahl ist. Das hat er so ab 2,5 ganz gut verstanden.

  2. Sehr guter Artikel. ..dem ich als Mutter in allen Punkten zustimme. Als erzieherin allerdings habe ich Schwierigkeiten. ..es ist schlichtweg nicht möglich sich in so einer Situation achtsam dem wütenden Kind zu widmen da du noch 3 4 oder 10 andere zu betreuen hast…bzw auch die anderen schützen musst. Das ist oft für Eltern schwer zu verstehen. ..also mir fehlen bei den Alternativrn tatsächlich welche die in der Gruppe machbar sind….ich bin da noch auf der Suche nach respektvollen möglichleiten die aber auch realistisch für die Gruppe sind. ..
    Glg Carola

    • Das kann ich gut verstehen. Danke für deine Anregung. Wir schauen dass wir eine Version extra für Erzieher/Betreuer schreiben

      • Es wäre toll wenn diese Version dann auch für Betreuer/innen von Kindern mit Behinderung geeignet wäre 😉 Danke und Lg

          • Kinder mit geistiger Behinderung – wäre sehr interessant

          • Das ist eine Zielgruppe mit der ich mich nicht wirklich auskenne, aber ich könnte recherchieren. Wann wäre denn da ein Time-Out notwendig?

          • Ich weiß nicht, um welche Behinderungen es hier geht, aber bei Kindern mit ASS ist man sicher öfter mal geneigt, eine Auszeiten zu nehmen. Da hilft auch kein Bohnengezähle, wenn der Wutanfall einmal da ist.
            Da muss man beim Kind bleiben, ruhige ausstrahlen, im Wutanfall vermeiden, dass sich jemand verletzt, vielleicht mit dem Kind an die frische Luft gehen. Strafe alleine hilft nie. Hinterher kann je nach geistigem Entwicklungsstand reflektiert werden, hihi ;).
            Und ganz wichtig ist dann erst recht, selbst für sich Auszeiten zu nehmen.

    • Man kann viel präventativ tun, viel draußen sein und die Kinder auspowern und dafür sorgen, dass alle Kinder etwas zu tun haben, denn viele Konflikte entstehen ja aus Langeweile oder körperlicher Unterforderung. Kinder wollen nützlich sein und lernen, dafür brauchen sie aber immer eine Gelegenheit.

      Wenn ein Kind nach einem Konflikt wirklich nur runterkommen soll, dann kann er zb weiße und bunte Bohnen auseinandersortieren oder auch ein wunderschönes Entschuldigungsbild malen. Fällt mir gerade so ein.

      • Da hast du recht, auspowern lassen und Gelegenheit für neue Erfahrungen geben, können solche Situationen schon gut verhindern. Und danke für den Tipp mit den Bohnen und dem Bild – find ich super!

  3. Puh, ich versuche auch immer Möglichkeiten zu finden, nicht in diese „Wenn-/Dann-Erziehung“ zu verfallen. Aber es ist immer wieder eine Herausforderung. Man hat ja meist nicht einmal am Tag eine Auseinandersetzung, die in einem Wutausbruch endet/enden kann, sondern gefühlte 100 Mal 😉 Spätestens beim 50. Mal fällt mir oft keine Alternative mehr ein. Oder ich gebe bei irgendwas nach, was ich eigentlich gar nicht wollte. Hauptsache, ich kann endlich mal die Spülmaschine ausräumen ohne, dass ins Messer gegriffen wird oder so 😉 Naja, aber ich werde täglich besser. Dein Artikel hat mir auch wieder neue Wege gezeigt, mit bestimmen Situationen umzugehen. Wirklich gute Ansätze für mich dabei. Danke!

    Meine letzte Time-In-Erfahrung: Meine Kleine schlief ja eine Weile nicht gut ein und unsere Abende waren daher immer furchtbar. Nachdem ich dann eher zufällig während einem Heul- und Wutanfall meiner Kleinen sagte: „Du darfst ruhig weinen und schreien, wenn du traurig oder wütend bist, dass Mama jetzt nicht hier bei dir schläft … Mama weint auch manchmal, das ist in Ordnung!“, war plötzlich alles besser. Sie fühlte sich verstanden und konnte nach einer Zeit beruhigt einschlafen:
    http://bilderbuchbaby.com/das-mami-dasein/einschlaf-drama-baby-18-monate

    PS: Dein Tipp zum Thema „Kind hat Waschlappen-Phobie“ hat auch geholfen 🙂 Unsere Kleine darf jetzt immer erst mein Gesicht saubermachen und ich darf danach ihres saubermachen ohne Geschrei. Noch ein Drama weniger dank dir <3

    Liebe Grüße,
    Nätty

    • Ja, dass es nicht immer einfach ist, kenne ich. Mir fällt es auch nicht in jeder Situation leicht meine eigenen Tipps zu beherzigen. Wir sind ja auch nur Menschen. Aber wir erkennen wenn wir anders reagieren sollten und das macht es schon besser 😉

      Es freut mich dass der Tipp geholfen hat 😁

      Liebe Grüße,

      Sarah

  4. Also ich bin als Mama mit dieser Auszeit-methode gut gefahren. Allerdings sitzen meine Mädchen immer so dass wir uns gegenseitig sehen können und höchstens 2min. Ich gehe zwischendurch hin und frage wie es ihnen geht und dann umarme ich sie…erkläre die Situation usw. Unsere Kleine hat mit 2 angefangen vor Wut Geschirr durch die Gegend zu werfen. Wir brauchten diese drastische Methode um sie aus den Scherben zu kriegen. Nach dem 3. Mal hat sie es auch nicht mehr versucht. Ich habe einen autoritären Erziehungsstil in den ersten 4 Jahren. Damit fahre ich gut. So kann ich später Kompromisse mit dem Kind finden und gleichzeitig vertrauen sie mir blind.

  5. Wow – ein toller Artikel! Danke für den Input – da kann ich mir sicher viel mitnehmen.
    Einiges mache ich schon – vor allem das trost anbieten hat sich schon so oft bewährt!

  6. Sehr schön geschrieben!!! Das wäre toller Input für unsere Krabbelgruppe! Darf ich, mit Verweis auf ihre Seite Sarah, ihre Tipps ausdrucken und in der Krabbelgruppe auslegen ? Viele Grüße

    • Hallo Julia. Du darfst mich gern duzen 😉 Es freut mich, dass dir der Artikel etwas bringt und es würde mich glücklich machen, wenn er eurer Krabbelgruppe weiterhilft. Sag mir doch in ein paar Wochen mal Bescheid, wie deine Kollegen es auffassen und ob die Maßnahmen euren Gruppen-Alltag verändert hat. Viele liebe Grüße,
      Sarah

  7. Danke Sarah! Dann werde ich heute Abend mal tippen und einen Verweis auf deine 😊 Seite mit drauf tippen. Ich werde berichten. Vielen Dank

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