Didacta 2016 – die Highlights der Bildungsmesse

Vor ein paar Tagen war ich mal wieder zu Gast in Köln unterwegs. Es war Samstagmittag und es regnete – beste Voraussetzungen um den Tag in den großen Messehallen der Didacta Bildungsmesse zu verbringen. Hier gab es einige interessante Highlights zu entdecken und die möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten.

Messeveranstaltung im Bildungsauftrag

Didacta - Bildungsmesse

Didacta – Bildungsmesse

Die Didacta ist eine Art Bildungsgipfel, der einmal im Jahr abwechselnd in Hannover (2015), Köln (2016) und Stuttgart (2017) stattfindet. Hier werden jährlich bis zu 100.000 Besucher erwartet – Familien und Fachleute, die an den neuen Herausforderungen, die an das Bildungssystem gestellt werden, interessiert sind.

Besondere Aufmerksamkeit gilt hier den Problemen und den aktuellen Themen, die den Pädagogen/-innen in Kindergärten, Schulen und Betrieben begegnen.
Die Bildungsmesse bietet also für alle Interessierten die Möglichkeit über diese Probleme im Forum zu diskutieren, liefert Fachbeiträge die Lösungsansätze schaffen und informiert über die neuesten Trends und Errungenschaften, wenn es um Lernmaterial, Kita- und Schulausstattung und Fachmaterialien geht.

Aktuelle Themen kompetent aufbereitet

Das Flüchtlingsthema war dieses Jahr natürlich auch auf der Didacta allgegenwärtig. Es gab Vorträge über das Thema „Mehrsprachigkeit“ und „Deutsch als Fremdsprache“ in Krippen, Kitas und Schulen, sowie einen Fachtag darüber, wie sichere Orte für die Vertriebenen geschaffen werden können. Außerdem wurden e-learning Software, Bücher und Spiele vorgestellt die das erlernen der Fremdsprache für die Asylsuchenden erleichtern sollen.

Der Konsens dabei war, dass die Kinder durch eine offene Willkommenshaltung und Neugierde an der anderen Kultur in den Betreuungs- und Schulalltag integriert werden sollen. Die Kinder sollen durch einfache Kommunikation Deutsch lernen und dabei mit Einheiten durch Sing-, Bewegungs- und Lernspiele durch die Pädagogen unterstützt werden.

Ich fand es wirklich sehr interessant, da ich mit dieser Herausforderung, der Integration der Asylsuchenden, in der Schule auch regelmäßig in Kontakt komme und nun endlich die Gelegenheit hatte, mir Lernmaterialien und Anregungen zu holen, um mit den Kindern arbeiten zu können. Aber es war auch toll endlich mal Ansprechpartner und Organisationen kennen zu lernen, die bei Fragestellungen zu diesem Thema aushelfen können.

Komm-zu-wort-buch

Bild: Finken Verlag

Hierbei sind mir besonders die Komm-zu-Wort-Bücher vom Finken Verlag im Kopf geblieben, die mit Hilfe des sogenannten TING-Stiftes einfache und alltägliche Vokabeln vorlesen lassen.

Verlag a d Ruhr 30x 45 Minuten DAZ

Bild: Verlag a.d. Ruhr

Aber auch die 30x DaZ in 45 Minuten -Bücher vom Verlag an der Ruhr fand ich toll, denn hier werden fertige Stunden zum Erlernen der Sprache für Pädagogen präsentiert. Für Amatateure im Untterrichten, wie mich, ein Hauptgewinn.

Nehmt doch mal die Nasen aus den Büchern!

Ein weiteres Thema, das ich auf der Didacta immer wieder entdecken konnte, war das außerschulische Lernen und Lernen zum Anfassen.
Es wurden Kooperationen für Schulen angeboten, die die Chance eröffneten Chemie an Laboren in Hochschulen zu lernen. Es gab Vereine, die außerschulisches Lernen direkt in der Natur anboten, im Forstbetrieb zum Beispiel. Und natürlich zahlreiche Unterrichtsmaterialien und neue Methoden, die den Kindern erlauben über praktische Übungen die Wissenschaft zu verstehen.

Für mich, die Frontalunterricht für ineffektiv empfindet, war das wirklich wie ein Befreiungsschlag. Die Angebote zu diesem Thema waren wirklich überall zu finden und es ließen mich letztendlich in der Hoffnung, dass sich in den kommenden Jahren die Unterrichtsform, so wie wir sie kennen, sicherlich verändern verbessern wird.

Bildrechte: Landesbetrieb Wald und Holz NRW

Bildrechte: Landesbetrieb Wald und Holz NRW

Großartig in dem Bereich fand ich das waldpädagogische Projekt des Landesbetriebes Wald und Holz von NRW bei dem Schulklassen (vorallem Integrations- und Willkommensklassen) kostenlos an begleiteten Gruppenaktivitäten im Wald teilnehmen können.
Hier geht es vor allem darum, den Wald als vielseitigen Lebensraum wahrzunehmen, durch Selbsterfahrung und ohne Lerndruck Pflanzen und Tiere kennen zu lernen, Ängste abzubauen und Sinneserfahrungen zu machen.

DraussenschuleAuch das Projekt DraussenSchule hat mich sehr beeindruckt. Auf der Messe gaben sie eine Papiertüte mit Materialien aus, mit denen Pädagogen oder Eltern und Kinder die Natur ohne Begleitung eines Fachkundigen entdecken können. Eine Art Anleitung zum achtsamen Erleben der Natur. Mit einer Checkliste, was man alles für so einen Ausflug benötigt und Materialien mit Anregungen, worauf man als Naturentdecker/in so seine Aufmerksamkeit richten kann.

Bildrechte: Schulwandern.de

Bildrechte: Schulwandern.de

Für Schulklassen sicherlich in diesem Rahmen interessant: vom 01.Mai bis 31.Juli gibt es dieses Jahr einen Schulwander-Wettbewerb, bei dem die teilnehmenden Klassen Preise wie eine Klassenfahrt, eine GPS-Ausrüstung und weitere interessante Preise gewonnen werden können. Dazu müssen die Lehrer nur ihre Klassen anmelden, bekommen Materialien für den Wandertag zugesandt und ihre Dokumentation des Wandertages online hochladen.

Besonders empfehlen kann ich auch allen Familien die Homepage Pädagogische Landkarte des LWL Medienzentrum und LVR-Zentrum für Medien und Bildung.
Wenn ihr mit der Familie mal wieder einen Ausflug plant, dabei gern auch etwas lernen möchtet oder einfach nur etwas neues erkunden möchtet, dann werdet ihr hier sicher fündig. Hier könnt ihr schauen, welche Ausflugsziele in eurer Umgebung vorhanden sind und direkt zu den Angeboten weitergeleitet. Eine prima Ideensammlung für die nächsten Familien-Wochenenden.

Ich finde das ist eine hervorragende Möglichkeit für die Kinder. So können sie Gemeinschaftlichkeit und viele andere Fähigkeiten erwerben, ohne Leistungsdruck und mit ganz viel frischer Luft und Erfahrungen in der Natur. Das Projekt wird staatlich und von diversen Verbänden und Krankenkassen finanziell unterstützt.

Digitales Klassenzimmer und Medienkompetenz

Und auch die Zukunft des Bildungssystems konnte ich an verschiedensten Ständen förmlich riechen. Hier ging es um Unternehmen die e-learning Programme und Produkte und digitale Lernmaterialien vorstellten.

Snappet-Grundschultablet

Bild: grundschultablet.de

Interessant fand ich beispielsweise das Unternehmen Snappet , dass 2015 bereits mit ihrem Grundschultablet auf der Didacta den Deutschen Bildungsmedien Preis gewonnen hat.

Das Tablet wurde von Grundschulpädagogen entwickelt und auf die Lehrpläne der Klassen 1-4 abgestimmt. So lernen die Kinder nicht nur auf spielerische Art und Weise den Lehrstoff, sondern auch den Umgang mit Medien und deren Verwendung.
Sie lernen auf diese Weise etwa den Umgang mit Microsoft Software und wie eine Cloud funktioniert (da steige ich bis heute nicht hinter!). Auch den sicheren Umgang mit einer Kinder-Foto-Community, kindgerechte Suchmaschinen, Kinder E-Mail-Programmen, sowie den Umgang mit Chat-Programmen gehören zum Kompetenzbereich bei der Nutzung des Tablets. Zusätzlich können die Kinder sogar einen Internet-Führerschein machen.

Aber auch für die Lehrer ist das Grundschultablet interessant, kann hier doch der Unterrichtsplan digital erstellt werden. Somit hat der Lehrer volle Kontrolle darüber, welche Aufgabenbereiche auf den Tablets der Schüler verfügbar ist.
Aber auch das eigene Lehrmaterial kann abgespeichert werden und ist so immer verfügbar und der Lehrstand kann ständig analysiert werden.

Und wer jetzt glaubt, so wie ich anfangs dachte, dass es sicherlich eine sehr teure Angelegenheit sein wird, die digitale Zukunft in die Klassenzimmer zu holen, dem kann ich sagen, dass es erstaunlicherweise sehr erschwinglich ist. So kostet ein Klassensatz (25 Stck) an Grundschultablets knapp 2.650€ im Jahr.

scook e-learning plattform

Bild: scook.de

Ein weiteres e-learning Programm habe ich in dem Unternehmen scook entdeckt. Das ist eine Plattform für Lehrer und Schüler. Es funktioniert wie eine Art E-Book, auf das am Rechner, am Tablet oder mit dem Smartphone zugegriffen werden kann. Interaktive Übungen, das Anfertigen von Notizen und Lesezeichen sind hier mit inbegriffen. So wird der Schulranzen um einiges leichter und Apps wie die Hausaufgaben-App machen den Stundenplan immer griffbereit und haben sogar eine Erinnerungsfunktion, damit die Hausaufgaben nicht mehr vergessen werden können.

Kigaclick App

Bild: kigaclick.de

Ebenfalls interessant für alle Kindergärten und Eltern von Kindergarten-Kindern war das KIGACLICK-Programm. Das ist ein System, dass Trägern und Leitern die Verwaltung des Kindergarten-Alltages erleichtern soll, den Erzieher/innen die Dokumentation und Informationsweitergabe erleichtern und den Eltern Transparenz bieten soll.
Mit der App können die Mitarbeiter des Kindergartens ganz einfach die Aktivitäten, Ankunfts- und Abholzeiten und das Schlaf- und Essverhalten dokumentieren und haben wichtige Daten immer griffbereit. Während die Eltern die tages- und Wochenpläne einsehen können und Informationen und Benachrichtigungen schnell und einfach auf ihr Smartphone geschickt bekommen können.

Elterngespräche und Tür- und Angelgespräche werden jedoch trotzdem noch Vis-à-Vis gemacht 😉

Sprechende Fotoalben, elektrische Lernboden-Matten (z.B. mit abgebildeten Straßenverkehr, um die Verkehrsordnung zu lernen) und kleine Roboter die selbst programmiert werden können – Digitale Lernmaterialien konnte ich an dem Stand von Hippomini & Klax bestaunen und sogar das hier ausprobieren:

Genial, oder? Ich habe an dem Stand mit Äpfeln ein Video vor und zurückgespult und mit meinem und dem Arm des Mitarbeiters Musik gespielt.

Aber nicht nur Unternehmen, auch Behörden wie das Bundesministerium und die Polizei steigen langsam in das digitale Zeitalter ein.

hallo Kids präventionsheft Polizei beratung

Bildrechte: Polizei-Beratung

Die Polizei gibt ein Präventions-Heft heraus, in dem die Kinder über die Gefahren im Netz und der sichere Umgang mit den Medien, sowie Datenschutz informiert werden. Das Hallo-Kids wissen mehr – Online unterwegs Heft könnt ihr herunterladen oder in Papierform anfordern.

biparcours-app

Bild: biparcours.de

Das LVR-Zentrum für Medien und Bildung hat eine Bildungs-App erstellt, die digitale Lernangebote für die Schule und die Familie anbietet.
Die Biparcours-App zeigt eine Themenroute an bei denen an außerschulischen Lernorten durch Medien und Quiz-Elementen Informationen und Lerninhalte an Kinder transportiert werden. So können Schulklassen also einen Ausflug zu einem Freilicht-Museum machen und mit dem Smartphone ein Quiz spielen, an einer Rallye teilnehmen oder bei Führungen zusätzliche Informationen erhalten.
Der Grundgedanke, so erklärte mir eine Mitarbeiterin der Bildungspartner-NRW-Stelle auf der Didacta, läge dabei den Kindern zu zeigen, dass ein Smartphone für weit mehr als nur Whatsapp und Spiel-Apps zu gebrauchen sind – das finde ich großartig!

Kinder die nur noch auf Bildschirme starren, der fehlende Geruch von neuen Büchern, Menschen die lieber chatten anstatt miteinander zu reden – all diese Gedanken kann auch ich nicht aus meinem Kopf kriegen. Aber ich glaube das ist normal.
Während wir im Mittelalter noch dachten, dass wir irgendwann im Pferdemist ersticken, malen wir uns nun aus, dass alle nur noch mit gesenktem Blick durch die Straßen laufen und lieber digital als analog leben.
Fakt ist, dem Fortschritt und der Zukunft werden wir nicht entkommen und sie bringt sicherlich auch eine Menge Positives – je mehr Zeit wir durch die Digitalisierung sparen, desto mehr Zeit können wir für Dinge aufbringen die uns einander näher bringt. Während die Klasse beispielsweise ein Lernspiel auf dem Tablet spielt, kann die Lehrerin sich der Beziehungsgestaltung mit den Schülern widmen.
Ich glaube auch hier greift das Prinzip wieder: Die Mischung macht’s und die Menge bestimmt das Gift. Wenn wir dafür sorgen, dass unsere Kinder mit genügend Medienkompetenz ausgestattet und aufgeklärt sind und Unterricht auch in die Richtung „Erleben“ geht (z.B. in Form des außerschulischen Lernens), dann werden die Kinder auf die digitale Zukunft und das analoge Begreifen von Wissen, vorbereitet. Ich stelle mir das großartig vor!  

Was hat mir besonders gut gefallen?

Ich fand die Messe wirklich interessant, weil sie jedes Interessengebiet aufgegriffen hat und einen allumfassenden Eindruck von den aktuellen Themen und der Entwicklung des Bildungssystems gegeben hat.
Und scheinbar war dies nicht nur für Pädagogen/innen interessant – auf der Messe wimmelte es nur so von Familien. Es gab sogar einen Mitmach-Zirkus und ein Areal, bei dem die Kinder beaufsichtigt und beschäftigt werden konnten, während die Eltern sich einen tiefergehenden Einblick von der Messe verschaffen konnten.
Die Kids hatten aber auch sichtlich Spaß beim ausprobieren von Spielzeugen oder schmökerten in Büchern.
Ich würde also behaupten, dass es nicht nur eine Bildungs-, sondern auch eine Familienmesse ist.

Ich fand es aber auch spannend mich über Themen direkt mit einem Ansprechpartner austauschen zu können, besonders was das Thema Integration von Flüchtlingen im Schulalltag anging. Nur schade, dass ich den Montessori-Fachtag verpasst habe.

Letztendlich schwingt mit, dass das Bildungssystem sich in den kommenden Jahren zukunftsorientiert verändern wird. Und dass Themen wie Montessori, Integration und Inklusion, sowie Lernen zum Anfassen ganz klar hervorstechen, machen mir ein wenig Mut, dass Hopfen und Malz doch nicht ganz verloren sind.

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Kategorie Freizeit & Aktivitäten, Schule
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Hi, mein Name ist Sarah, ich bin 30 Jahre alt und lebe als Sozialpädagogin mit meiner Tochter, unserem Labrador und meinem Partner in Heerlen/Niederlande. Ich habe Mamagogik 2014 ins Leben gerufen, weil ich es liebe zu schreiben, meine Gedanken mit anderen zu teilen und mich auszutauschen. In meiner Arbeit ist es mir wichtig die Stärken der Menschen zu sehen und ihnen auf gleicher Augenhöhe Respekt für ihre Situation aufzubringen.

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