Mama wird fit – Baby macht mit

Es ist kurz vor 9 Uhr. Die Großen sind in der Schule und im Kindergarten, meine Tochter sitzt neben mir und guckt aus dem Autofenster die vorbeifliegenden Bäume an, während ich im Kopf noch die letzten Details der bevorstehenden Stunde durch gehe. Ich freue mich! Worauf? Auf Musik, Spaß, tolle Mamas und Babys und darauf, die Mütter ordentlich zum Schwitzen und die Babys zum Schlafen zu bringen. Gleich heißt es wieder: Let’s Kanga!

Am Ziel angekommen zerre ich meinen riesen Koffer voll mit Tragehilfen aus dem Auto, schnappe mir meine Tochter und rausche los. Anfangs wurde ich von unseren Nachbarn verstört gefragt, ob ich in denBild 122190048 Urlaub fahre oder ausziehe. Nach über drei Jahren haben sie sich an das morgendliche Bild gewöhnt.

Ich komme wie so oft als eine der letzten an. Mist! Dabei nehme ich mir doch jeden Morgen vor, heute mal überpünktlich zu sein. „Meine Mamas“, wie ich meine Teilnehmerinnen liebevoll nenne, scheint das nicht zu stören. Sie sitzen schon gemütlich im noch schummerigen Licht auf ihren Trainingsmatten und tauschen sich über die üblichen Verdächtigen aus: Schlafmangel, das Zahnmonster und die neusten Breirezepte.

Als erstes wird das Licht angemacht – damit auch alle wach werden – und ein fröhliches Hallo in die Runde gerufen. Meiner Motte ziehe ich noch rasch ihre Jacke aus, bevor sie sich auf den Weg macht, anderen Kindern ihre Spielsachen und Schnullerketten abzujagen. Sie ist glücklich – ich auch! Hier ist mein 2. Zuhause.

Ich weiß noch genau, wie ich im Sommer 2012 Überzeugungsarbeit an allen Fronten leisten musste. Als erstes bei mir selber: Kann ich das? Kann ich vor anderen Müttern stehen und als Fitnesstrainerin arbeiten? Ich? Ich bin doch nicht mal sportlich. Als nächstes bei meinem Mann: Selbstständigkeit? Und ob das was ist? Kostet ja auch einiges, so eine Ausbildung.

Doch der Entschluss fiel und so fuhr ich Ende Juni 2012 zur Kanga-Trainerinnen-Ausbildung – gemeinsam mit meinem damals sieben Monate alten Sohn. Es war hart! Es war toll! Ich war bis zum Rand gefüllt mit Input. So viel Wissen. So viel Praxis! So tolle Frauen um mich rum. Und danach die Erkenntnis: Das ist es! Genau das möchte ich machen!

Ich stehe vorneBild 122189944, schaue auf die Uhr und rufe laut in die Runde, dass wir jetzt starten, schnappe mir noch rasch meine Tochter, die gerade die Anatomie des Auges eines anderen Kindes erforschen will und drücke Play. Es geht los! Das erste Lied – der Sonnengruß. Seit über drei Jahren. Fast jeden Morgen. Und komischerweise habe ich ihn immer noch nicht satt. Alle Mamas fangen an, heben die Arme und alle Babys verstummen und gucken uns gebannt zu. Einige der Großen machen sogar mit. Ich rufe meine üblichen Anweisungen „Bauchnabel rein“ und „Schultern runter“, wie ich es gefühlt noch hundert Mal in den kommenden sechzig Minuten machen werde.

Der Sonnengruß ist vorbei und nun geht es an den anstrengenden Part. Wir gehen auf die Matten und machen Bodenübungen. Ich fange meine Tochter ein, die mal wieder auf Schnuller-Raubzug ist und gebe mit ihr auf dem Arm weitere Anweisungen. Allen ist warm und alle strahlen von Innen. Sie sind glücklich. Darüber, dass sie Zeit mit ihren Babys verbringen, neue Bekanntschaften machen und Muskeln spüren, von denen sie schon ganz vergessen hatten, dass es sie gibt.

Es ist an der Zeit, die Babys in den Schlaf zu wiegen und somit kommt die Anweisung: Babys in die Tragen! Ich schnalle mir meine um, schnappe mir meine Tochter, die gerade ihr eigenes Spiegelbild ableckt, ziehe ihr noch rasch ein paar Babystulpen an, damit sie nicht so schwitzt und verzurre sie sicher. Die alten Hasen unter meinen Teilnehmern haben ihre Kinder ebenfalls in ihre Tüchern und Tragen geschnallt und ratschen bereits wieder über weitere Mama-Baby-Themen während die neuen Mamas noch ein bisschen Hilfe beim korrekten Anlegen benötigen. Die ersten Babys schlafen schon fast, bevor wir überhaupt richtig angefangen haben.

Nach einer Stunde ist es geschafft. Die Fensterscheiben sind beschlagen, die Shirts kleben an uns, die Haare hängen strähnig runter und wir fühlen uns gut. Meine Tochter schnarcht leise vor sich hin. Wie immer. Ich streichle ihr über ihren Kopf, drehe noch mal eine Runde und erkundige mich hier und da nach dem Befinden. Reges Treiben setzt ein: Die Babys werden gewickelt, gefüttert und gestillt und angezogen. Grüppchen bilden sich und nehmen wieder die altbekannten Themen auf. Ich gehe in meine Ecke, wecke meine Tochter, stille sie und lasse dabei meinen Blick schweifen. Und ich bin mir sicher: Das ist meine Welt! Das ist, was ich liebe!

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Was ist Kangatraining?

Kangatraining wurde 2008 von Nicole Pascher in Wien gegründet und ist heute in vielen Ländern weltweit bekannt. Unter dem Motto „Mama wird fit – Baby macht mit“ können Mütter nach der gynäkologischen Abschlussuntersuchung und bestenfalls einer abgeschlossenen Rückbildung mit dem Training beginnen. Das Baby ist immer dabei und verschläft meist den Großteil der Stunde in einer ergonomisch korrekten Tragehilfe oder einem Tragetuch, während Mama andere Mütter trifft und gemeinsam mit diesen zu fetziger Musik schwitzen kann. Alle Infos und Kurse unter www.kangatraining.de.

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Kategorie Freizeit & Aktivitäten

Hi, mein Name ist Lena. Ich bin 34 Jahre als und lebe mit meinem Mann und meinen 3 Kindern (6J./4J./9Monate) in Offenburg. Ich habe beruflich schon einiges gemacht, unter anderem journalistisch für Zeitungen und Radiosender gearbeitet, Ethnologie und Erziehungswissenschaft studiert und heute bin ich Kangatrainerin, Einfach-Eltern-Coach und Trageberaterin. Auf das Mamagogik Blogazine freue ich mich schon sehr und werde euch hier regelmäßig mit Familienthemen und Themen im Bereich Trageberatung liefern.

3 Kommentare

  1. Pingback: Willkommen im Team, Lena – Mamagogik

  2. Liebe Lena,
    danke für diesen wundervollen Artikel, er spricht einem förmlich aus der Seele!
    Auch ich liebe meinen Job als Kangatrainerin!
    Let´s Kanga!
    Liebe Grüße aus Berlin
    Fenta

    • Liebe Fenta,
      danke für die lieben Worte. Wir sind einfach Glückspilze, dass wir das gefunden haben, was unser Leben bereichert. Ganz viele Grüße, Lena

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