So gelingt der Aufbau einer sicheren Eltern-Kind-Bindung

Wenn ein Baby geboren wird, ist es vollkommen abhängig von seinen Eltern beziehungsweise anderen Menschen, die sich um es kümmern. Menschliche Säuglinge werden sehr unreif geboren, eigentlich müssten sie noch ein paar Monate länger im Mutterleib verbleiben. Allerdings ist das weibliche Becken nicht breit genug, so dass ein längerer Aufenthalt im Uterus zu großen Geburtsschwierigkeiten führen würde. Die Babys wären dann schlichtweg zu groß, um auf natürlichem Wege geboren werden zu können.

Körperliche Nähe stärkt die Eltern-Kind-Bindung

Körperliche Nähe stärkt die Eltern-Kind-Bindung

Aus diesem Grund werden die menschlichen Säuglinge bereits nach einer relativ kurzen Tragedauer – in Anbetracht unserer Größe und Lebenserwartung – geboren. Vollkommen hilflos kommt der menschliche Säugling zur Welt. Er ist mit einigen wichtigen Reflexen ausgestattet, die sein Überleben sichern. So kann er beispielsweise bereits kurz nach der Geburt die mütterliche Brust finden und saugen und schlucken. Einige weitere wichtige Schutzreflexe, wie der Hustenreflex, Würgereflex oder  Temperaturreflex sollen das Kind vor Ersticken bzw. Verbrennungen schützen. Abgesehen von diesen (und noch einigen anderen) Reflexen jedoch ist ein Baby zu Beginn ziemlich hilflos. Und es benötigt dringend Menschen – im Normalfall sind das die leiblichen Eltern, aber es gibt in der heutigen Zeit natürlich vielfältigste Varianten des familiären Zusammenlebens – die sich diesem hilflosen Wesen annehmen und es die ersten Jahre begleiten und beschützen. Ohne andere Menschen ist kein Mensch lebensfähig!

Wofür benötigt ein Säugling überhaupt eine sichere Bindung an mindestens einen Menschen?

Diese sichere Bindung stellt quasi das Fundament dar, damit sich ein Kind gesund entwickeln kann. Ein sicher gebundenes Kind hat mehr Bewältigungsmöglichkeiten bei Belastungen und in Krisensituationen die Möglichkeit, sich Hilfe zu holen. Sie zeigen mehr gemeinschaftliches Verhalten, haben mehr Empathie für emotionale Situationen von anderen Menschen, haben mehr Beziehungen, verfügen über mehr Kreativität, Flexibilität und Ausdauer und haben eine größere Gedächtnisleistung.
Kinder, die in ihrer frühen Kindheit erfahren haben, dass es Menschen gibt, die sich für sie interessieren, die sie lieben und zu ihnen stehen, profitieren daraus für das gesamte weitere Leben. Unsicher gebundene Kinder hingegen haben ein eher bröckeliges Fundament, sie können mit Belastungen nur schwer umgehen und versuchen Probleme meistens alleine zu lösen. Sie zeigen deutlich weniger gemeinschaftliches Verhalten, haben weniger Beziehungen und Empathie für andere Menschen. Außerdem verfügen sie über weniger Kreativität, Flexibilität und Ausdauer. Auch die Gedächtnisleistung ist weniger ausgeprägt als bei sicher gebundenen Kindern und Lernen fällt ihnen oft schwerer (vgl. Karl Heinz Brisch: Bindung und Bindungsstörungen).

Es wird deutlich, wie wesentlich es ist, dass Kinder eine sichere Bindung zu mindestens einer Hauptbindungsperson aufbauen können. Und wie funktioniert das? Was müssen Eltern tun, damit ihr Kind sich sicher an sie bindet?

Die Grundlage bildet das feinfühlige Verhalten dem Kind gegenüber. Das bedeutet, dass der Elternteil in der Lage sein sollte, die Bedürfnisse des Kindes

  • zu erkennen, sowie
  • adäquat und
  • prompt zu befriedigen.

Hauptbindungsperson wird die Person, die am feinfühligsten auf das Kind eingeht und die Bedürfnisse am besten befriedigt. Das muss nicht die leibliche Mutter sein, sondern das Kind bindet sich an die Person sicher, die emotional anwesend ist und sich die meiste Zeit um das Baby kümmert.
Des Weiteren gibt es dann, in Form einer Bindungshierarchie, noch weitere Bindungspersonen, an die das Kind im besten Falle auch sicher gebunden ist. Das kann dann der Papa, die Oma oder die Tante oder sonst wer sein. Je mehr sichere Bindungserfahrungen das Kind macht, desto besser.

Wie kann die sichere Bindung gestärkt werden?

Stillen nach Bedarf stärkt die Bindung zwischen Mutter und Kind

Stillen nach Bedarf stärkt die Bindung zwischen Mutter und Kind

Indem Eltern auf ihren Instinkt hören und sich nicht von Ratschlägen von außen verunsichern lassen! Wenn die Eltern sich entschließen, das Kind bedürfnisorientiert aufwachsen zu lassen, dann ist das ein wesentlicher Pfeiler für eine gesunde psychische Entwicklung. Dazu gehört in aller erster Linie, dass das Kind niemals!!! schreien gelassen wird. Absolut abzuraten ist von sogenannten Schlaflern-Programmen, in denen das Kind „kontrolliert“ schreien gelassen wird. Dabei gucken die Eltern auf die Uhr und gehen nach 3,5, 7 und 10 Minuten wieder in das Kinderzimmer. Es dauert also immer länger, bis die Eltern zum Trösten wieder reinkommen. An irgendeinem Punkt wird das Kind resignieren und einschlafen, denn es hat gelernt, dass die Eltern ohnehin nicht kommen, wenn es sie braucht. Die Eltern denken, das Kind hat nun gelernt, alleine einzuschlafen. Ein absoluter Irrglaube und für das Kind wirklich verheerend. Dieses Vorgehen stärkt weder die Eltern-Kind-Bindung noch ist es in irgendeiner Weise beziehungsfördernd.

Vielmehr stärken das Stillen nach Bedarf, das Tragen in Tuch oder Tragehilfe, das gemeinsame Schlafen im Familienbett und der achtsame Umgang mit den Bedürfnissen des Kindes die Eltern-Kind-Bindung. Ganz viel körperliche Nähe stärkt die Bindung!
Wenn man bedenkt, wie kurz die Kinder in einer solch abhängigen Situation sind (in Bezug auf unsere Lebensdauer), dann sollten wir uns gut überlegen, ob wir Kinder wollen, die mit 4 Monaten „alleine einschlafen“ oder ob wir uns sicher gebundene Kinder wünschen, die in der Lage sind, selbstbewusst und innerlich stark durch das Leben zu gehen. Die elterliche Verantwortung ist groß und es ist wichtig, sich das bewusst zu machen. Wir tragen die Verantwortung für unsere Beziehung zu unseren Kindern und wir geben ihnen das Fundament für das gesamte weitere Leben mit. Meine Angebote und weitere Artikel von mir findest du hier.

In diesem Sinne alles Liebe,

eure Kira!

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4 Kommentare

  1. Pingback: Willkommen im Team, Kira – Mamagogik

  2. Ganz großartig geschrieben. So schön! Ich würde mir wünschen dass viele, viele werdende Eltern diesen Artikel lesen und beherzigen.

    Sonnige Grüße,
    Shy.

    • Liebe Shy,
      ich danke dir für deinen Kommentar und freue mich sehr darüber.
      Ja, ich hoffe auch, dass es viele (werdende) Eltern lesen. Einfach, damit ihnen
      bewusst wird, wie wichtig diese ersten Jahre sind 🙂
      Alles Liebe, Kira

  3. Das ist ein toller Artikel! Ich hoffe so sehr, dass sich diese Ansichtsweisen viel mehr verbreiten und junge Eltern nicht mehr von Außen so negativ beeinflusst werden, wenn sie auf ihre Instinkte hören. Immer dieses anklagende: „Du kannst doch nicht immer springen, wenn dein Baby schreit …“ Doch! Kann ich und werde ich!
    Ich wünschte ich hätte Artikel wie deinen schon früher gelesen. Dann wäre die erste Zeit mit Baby viel einfacher gewesen 🙂 Also, weiter so! Liebe Grüße, Nätty

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