Komplikationen im Kreißsaal: Wie du das Geburtstrauma lösen kannst und die Mutter-Kind-Bindung stärkst

Mutter und Kind liegen in den Wehen. Sie geben ihr Bestes und doch reicht es manchmal einfach nicht aus. Es kommt zu Komplikationen und was dann geschieht beschreiben viele Mütter und auch Väter als einen wahren Alptraum. Die Angst um Mutter und Kind ist in solchen Situationen immens groß, Szenerien werden nur noch bruchstückhaft wahrgenommen und im schlimmsten Fall werden Mutter und Kind direkt nach der Geburt getrennt. Für alle Beteiligten kann hierdurch ein Trauma entstehen dass es erst einmal zu verarbeiten gilt.

Vor einigen Wochen ging ein Video in den sozialen Netzwerken sehr viral und die Reaktionen darauf zeigten, wie sehr es unser Herz erwärmte. Die Rede ist von dem Video, in dem neugeborene Zwillinge gemeinsam gebadet werden und somit wieder da wohlige und geborgene Gefühl vermittelt bekommen, wie sie es bereits aus dem Bauch ihrer Mutter her kennen.

Und weil uns dieses Video so berührt hat, erklärt Jasmine, unsere neue Mit-Autorin, was es eigentlich mit diesem Video auf sich hat.

Das Heilbad oder Boundingbad (nach Hebamme Brigitte Meissner)

Ich betrete das abgedunkelte Schlafzimmer von Klara und Stephan. Liebevoll sind Kerzen aufgestellt und in mir steigt sofort ein wohliges Gefühl hervor. Neben dem elterlichen Bett steht eine Wanne mit warmem Wasser bereit und es duftet angenehm nach Rosenblüten. Klara hat es sich in ihrem Bett gemütlich gemacht und in ihren Armen liegt der kleine Paul, der vor 5 Wochen das Licht der Welt erblicken durfte. Wir genießen diesen friedvollen und sehr besonderen Moment.

Zugegeben es war kein leichter Start ins Leben. Klara hatte sich eine natürliche und selbstbestimmte Geburt gewünscht, die jedoch aufgrund von Komplikationen in einem Kaiserschnitt endete. „Das war so nicht eingeplant“ und „Ich wollte mein Kind so gerne auf natürlichem Wege gebären.“ Worte die Klara immer wieder wählt und dabei ihre Augen traurig wirken lassen. “ Ich liebe meinen Sohn so sehr und trotzdem fühle ich mich manchmal irgendwie anders, nicht genau definierbar.“ Auch Paul scheint seinen Geburtsweg nicht richtig verarbeitet zu haben, erzählt mir die junge Mutter immer wieder. „Hast du nicht eine Idee, was man da machen kann“, fragte sie mich mit erwartungsvollem Blick.

Und in der Tat, ich hatte eine Idee und erzählte ihr von dem „Heilbad“ welches die Schweizer Hebamme Brigitte Meissner entwickelt hat. Das Heilbad oder Boundingbad wie es so schön genannt wird gilt als heilendes Ritual mit Tiefenwirkung. Sowohl für die Mutter aber auch für das Kind ist es ein wunderbares Ritual um das persönliche Geburtsterlebnis wieder zu harmonisieren. Frauen die ihr Kind per Kaiserschnitt entbunden haben, empfinden dieses Ritual als wunderbare Ressource, denn sie können auf diese Art das Ankunftserlebnis wiederholen und Mutter und Kind kommen so nochmal neu an. Nun stehen wir also in diesem (noch) ruhigen Raum und bereiten uns auf einen ganz besonderen Moment vor. Vorsichtig bade ich den kleinen Paul einige Minuten in dem warmen Wasser und lege ihn anschließend nass auf Klaras nackten Oberkörper.

Nun werden beide warm zugedeckt und das Rebonding und der damit verbundene Heilungsprozess für Körper und Seele können beginnen. Mit diesem Ritual schenken wir dem Kind die Geburt und das Bonding neu und der Mutter kann es helfen, sich mit der Geburt zu versöhnen. Paul ist nun nicht mehr ganz so still, er weint viel und auch das gehört zum Heilbad dazu. Paul erzählt quasi seine Geschichte und möchte gehört werden. Mit jedem weiteren Bad wird er das anschließende heilsame kuscheln mehr und mehr genießen und sich dabei zunehmend entspannen.

Klara liegt nun zufrieden, kuschelnd und stillend mit Paul im Bett, denn das Heilbad berührt tiefe Urinstinkte und oftmals zeigen die Babys nach diesem Bad ein vermehrtes Saugbedürfnis, welches natürlich befriedigt werden sollte. Langsam, auf leisen Sohlen und mit einem Lächeln im Gesicht schleiche ich mich aus dem elterlichen Schlafzimmer und Gedankenverloren mache ich mich auf den Weg. Ein unglaublich schönes und wertvolles Ritual, welches auch heute wieder meine Seele zutiefst berührt hat und meine Arbeit so unglaublich lebenswert macht.

Da es ein therapeutisch wirkendes Bad ist, empfiehlt es sich dieses drei bis vier Mal, im Abstand einer Woche, zu wiederholen. Bei Wunsch natürlich auch häufiger.

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