Trägt dein Kind die Bürde der Menschheit? Das Erbe der Generation Y

Die Ereignisse aus den letzten Tagen sind auch an mir nicht spurlos vorbei gezogen. Die Anschläge auf Paris und die möglichen Auswirkungen, bringen mich mal wieder zum Grübeln, und manchmal auch zum Weinen. Es ist ein Ohnmachtsgefühl das sich in mir breit macht und ich stelle dadurch Entscheidungen von Politikern, der Gesellschaft und sogar einige meiner eigenen Entscheidungen in Frage.

Als ich wusste dass ich schwanger bin, habe ich nicht nur sehr gefreut. Das Gefühl war unglaublich. Ich hatte mir so lange schon ausgemalt, wie es wohl sein würde, sein erstes Baby zu erwarten. Die Zukunft war jetzt.
In stillen Momenten aber, kamen ab und an Zweifel auf. Ich hatte Angst zu versagen: für das große Ganze noch nicht bereit zu sein. Mir war klar, dass ich auf viel verzichten müsste und dachte daran, wie oft ich meine Mutter bemitleidet hatte, weil sie bis in den Abend hinein, nach der Arbeit, in der Wohnung beschäftigt war. Ich hatte Sorge, mein Leben zu verlieren. Das Leben, dass ich bis dahin geführt hatte.

War das nicht egoistisch? Ich dachte nur daran, wie sich das Leben für uns verändern sollte. Welche Einschränkungen ich erleben würde.

Angst und Pessimismus

Nach ein paar Tagen, die Familie hatte es eben erst erfahren und sich unglaublich gefreut, kam mein Vater auf mich zu und legte seinen besorgten Gesichtsausdruck auf. Ich stellte mich darauf ein, ihn beruhigen zu müssen. Dass wir das alles schon schaffen würden, dass Geld in der nächsten Zeit erst einmal keine Rolle spielen würde, dass uns die Einschränkungen bewusst wären und wir einfach von Luft und Liebe leben wollten.

„Hast du dir in der letzten Zeit die Nachrichten angesehen? So viel Krieg und Terror in der Welt. Pädophile die kleine Kinder am heiligen Tag entführen, misshandeln und ermorden. Macht dir das keine Angst? Fragst du dich nicht, ob es nicht grausam ist, ein Kind in so eine Welt zu setzen?“

Ich war irritiert. Damit hatte ich jetzt nicht gerechnet. Ich tat es mit einem: „Ach Papa!“ ab und ergänzte, dass die Welt nicht nur schlecht sei und ich so pessimistisch nicht durch die Gegend laufen wollen würde. Das macht das Leben doch nur schwerer.

Der Egoismus der Schwangerschaft

Als ich in den vergangenen Monaten jedoch immer wieder Bilder aus Kriegen im Fernsehen gesehen habe, fragte ich mich oft, ob ich mich nicht verrannt hatte. Waren die Aussagen, die ich meinem Vater gegenüber geäussert hatte einfach nur Selbstschutz? Hatte ich die Augen vor der Wirklichkeit verschlossen und die falschen Fragen gestellt?

Und auch nachdem der Terror der IS so nah ist, frage ich mich, ob meine Gedanken in der Schwangerschaft nicht wirklich egoistisch gewesen sind. Ich hatte nur an uns und die Auswirkungen auf unser Leben gedacht. Ich hatte aber nie gefragt, ob dieses Baby das ich in mir trug und das ich mir so gewünscht hatte, nicht ein Recht darauf gehabt hätte, gefragt zu werden, ob es in eine solche Welt hineingeboren werden wollte. 
Wir hatten es entschieden und die Milchschnute würd es später ausbaden müssen. Ob sie will oder nicht. Und wer weiß schon, wie die Welt in 30 Jahren aussehen wird?

Buerde2

Das Erbe der Generation Y

In 30 Jahren wird die Milchschnute und alle Kinder ihrer Generation erwachsen sein.
Sie werden die Pubertät hinter sich gebracht haben, ihre Berufsausbildung angegangen sein und vielleicht dabei sein, eine eigene Familie zu gründen.

Unsere Kinder werden mit weltoffenen Eltern aufgewachsen sein, die sie geliebt und unterstützt haben.

Unsere heutigen Kinder werden Journalisten und Autoren sein, die die Wahrheit wertfrei übermitteln. Die sich und ihre Umwelt hinterfragen, niemandem blindlings hinterher laufen, sondern ihre eigene Meinung kundtun.
Sie werden Schulter an Schulter mit Menschen aus den verschiedensten Kulturen aufgewachsen sein. Religion, Hautfarbe, Handicaps, sexuelle Gesinnung und das Geschlecht werden einen Menschen nicht mehr ausmachen, sondern seine Taten und die Sprache seines Herzens.
Und sie werden Politiker, Banker und Unternehmer sein, die Einfluss auf das Weltgeschehen haben und für die richtige Sache einstehen, anstatt nur noch mehr Profit und Macht zu wollen.

Ihr sagt das klingt naiv?

Ich sage, die, die es in der Hand haben sind wir!

Unsere Eltern haben den Grundstein gelegt. Sie haben die „Generation Y“ erschaffen.
Sie haben uns zu eigenständigen, selbstbewussten Menschen erzogen, die in der Lage sind zu hinterfragen und sich immer wieder neue Ziele zu setzen. Wir haben Ideen und sind ständig auf der Suche danach, etwas besser und effektiver zu machen. Wir lösen uns von alten Bildern und malen Neue.



Wieso sollten unsere Kinder also nicht im Stande sein, genau das zu bewirken, was die Welt gerade braucht? Wir müssen nur den Grundstein legen. Das richtige Milieu schaffen und Werte vermitteln, die Frieden und Mitgefühl bewirken.
Vielleicht ist die „Generation Y“ dafür da, die „Generation Do!“ auf die Welt zu bringen und sie dahin zu begleiten alles ein bisschen heller zu machen.

Vielleicht haben sie dadurch die Bürde der Menschheit auf ihren Rücken, aber auch die Gewissheit, dass Toleranz, Liebe, Verständnis und Solidarität immer zu etwas Großartigem führen. Denn das werden wir ihnen vorgelebt und beigebracht haben.

Wir müssen an uns und unsere Kinder glauben. Ihnen zeigen, dass der Glaube an das Gute im Menschen immer der richtige Weg ist.
Wir müssen ihnen die Welt und die Menschen in den schillerndsten Farben präsentieren, damit dies immer mehr Eindruck hinterlässt als die Schattenseiten unseres menschlichen Daseins.

Dass wir genau diese Kinder großziehen können, verdanken wir der Freiheit, die wir hier genießen dürfen. Somit wird mir wieder einmal mehr bewusst, welche Bedeutsamkeit dieser Wert eigentlich hat. Und vor allem wie wichtig es ist, diesen Wert mit denen zu teilen, für die es nicht selbstverständlich ist.

Epilog

Wenn man so wie ich, lange Zeit in der Jugendhilfe arbeitet, hat das schnell auch mal Auswirkungen auf das eigene Weltbild. Schnell denkt man, dass es nur noch auffällige Kinder gibt, die um Liebe und Aufmerksamkeit betteln. Dass Menschen aus sozial schwächeren Familien alle motivationslos sind und lieber vor dem PC Rollenspiele spielen, anstatt sich der Rolle als Eltern bewusst zu sein. Ja, man ertappt sich schnell dabei, die Welt nur schwarz und weiß zu sehen. Deswegen müssen wir uns und unsere Arbeit immer wieder hinterfragen.

Wenn man zuviel Nachrichten sieht, in denen Bilder von toten Kindern, Blut und Zerstörung oder andere Krisen permanent gezeigt werden, schleicht sich so eine Weltauffassung auch schnell ein. Wir haben das Gefühl die Welt ist schlecht.
Aber auch hier sollten wir uns und unsere Mitmenschen immer wieder bewusst erleben und unser handeln und das der Gesellschaft immer wieder hinterfragen.
Wir sollten auf warmherzige Gesten achten und diese nicht als selbstverständlich hinnehmen.

Buerde1

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Kategorie Eltern, Elternschaft, Elternschaft, Kinder
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Hi, mein Name ist Sarah, ich bin 30 Jahre alt und lebe als Sozialpädagogin mit meiner Tochter, unserem Labrador und meinem Partner in Heerlen/Niederlande. Ich habe Mamagogik 2014 ins Leben gerufen, weil ich es liebe zu schreiben, meine Gedanken mit anderen zu teilen und mich auszutauschen. In meiner Arbeit ist es mir wichtig die Stärken der Menschen zu sehen und ihnen auf gleicher Augenhöhe Respekt für ihre Situation aufzubringen.

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