Und wovor flüchtest du? #bloggerfuerfluechtlinge

Wenn wir uns in einer unangenehmen oder sogar lebensbedrohenden Situation befinden können wir auf zwei Arten reagieren: Kampf oder Flucht.

Der Kollege auf der Arbeit redet hinter deinem Rücken über dich – Konfrontation stört dein Harmonie-Empfinden.

Die Post aus deinem Briefkasten öffnest du erst gar nicht – Rechnungen.

Der Monitor zeigt eine leere Text-Seite an – mit deiner Abschlussarbeit kannst du auch morgen noch beginnen.

Seit langer Zeit fühlst du dich unwohl in deiner Haut – auf das Schlemmen kannst du nicht verzichten und für Sport hast du keine Zeit.

Dieser Knoten in der Brust ist dir kein Arztbesuch wert – es wird schon nichts sein.

Der Mensch, den du seit einiger Zeit datest ist echt nett und du bist gern in seiner Nähe – etwas Festes suchst du aber nicht.

Die Ausbildung die du machst, macht dich unglücklich und du bist ständig krank, hinschmeißen gibt’s nicht – deine Eltern wollen, dass etwas aus dir wird.

Der Gesundheitszustand deiner Oma verschlechtert sich zusehends – wieder musst du Überstunden machen, die über die Besuchszeit hinaus gehen.

Ständiger Streit zwischen dir und deinem Partner, wobei niemand die eine Frage stellen möchte – Liebst du mich noch?

Flucht

Dein Pulsschlag erhöht sich, du hörst dein Herz schlagen. Es pocht so laut, dass du denkst, die Anderen um dich herum müssten es hören. Das Blut schießt dir in den Kopf und Hitze hüllt dein Gesicht ein. Deine Atmung wird schneller und flacher, aber du hast das Gefühl keine Luft zu bekommen. Abwechselnd laufen dir warme und kalte Wellen durch den Körper und alles um dich herum wird still und unwirklich. Du möchtest nur eines: laufen, weit weg laufen!

„Wo man Gefahren nicht besiegen kann,
 ist Flucht der Sieg.“
Johann Gottfried Seume (1763 – 1810), deutscher Schriftsteller

Empathie gegen Toleranz

Wir alle kennen Situationen, in denen wir Angst haben. Wir haben keine Kraft zu kämpfen. Sorgen uns um unsere Lieben, wenn wir an die Folgen denken; wenn wir sie dazu zwingen, unsere Entscheidungen mitzutragen.
Und dann gibt es Momente, da fühlen und denken wir gar nichts. Dann reagieren wir nur. Ohne über die Folgen nachzudenken.
Oder wir tun gar nichts. Lassen unser Schicksal über uns ergehen und kapitulieren kampflos vor uns selbst. Und ewig fragen wir uns: Was wäre gewesen wenn? Welches Leben würde ich dann führen?

Und obwohl wir all diese Gefühle kennen, jeder von uns schon einmal in einer ähnlichen Situation war, gibt es Menschen, die anderen Menschen diesen Instinkt und dieses völlig normale Verhalten absprechen wollen. Sie missachten den Lebenshaltungstrieb von vertriebenen Menschen, die nur eines wollen: überleben!

Das was in den vergangenen Tagen in Heidenau geschieht, ist grausam und entsetzlich. Seit Tagen fehlen mir die Worte für diese unmenschlichen Taten, die mich erstarren lassen.

Als Sozialpädagogin glaube ich an das Gute im Menschen. Daran, dass Menschen ganz tief im Herzen friedlich miteinander leben wollen. Daran, dass sie sich entwickeln können und zu einem besseren Menschen werden können, wenn sie sich selbst erkennen und zulassen können.
Schaue ich mir allerdings die Leute an, die vor Unterkünften randalieren, habe ich Zweifel. Sie machen Menschen mit voller Absicht Angst. Menschen, die aus Angst vor Schlimmeren, hier Zuflucht suchen. 
Diese Radikalisten sind keine “besorgten Bürger”. Das sind Leute, die ihre Luxusprobleme vor dem Überlebenstrieb von anderen Menschen stellen. Und wenn mir das bewusst wird, dann überkommt mich Ekel. Ich ekele mich vor so viel Unmenschlichkeit, vor so viel Engstirnigkeit und Unwissen.

Denke ich etwas länger darüber nach, tun diese Menschen mir leid. Sie müssen in ihrem Leben kaum gesunde Beziehungen zu Menschen gemacht haben. Ihnen fehlt jegliches Empathievermögen. Sie werden nie erleben, wie es ist, auf selbstlose Taten Dankbarkeit entgegnet zu bekommen. Sie werden von ihrem Selbsthass und ihrer Unsicherheit aufgefressen. Nur das Nachplappern von Parolen und die dadurch entstehende Einigkeit, bringt ihnen Sicherheit. Das Verwenden von unplausiblen Schuldzuweisungen verhindert, dass sie über ihre eigene, traurige Geschichte nachdenken müssen.

Mein tiefes Mitgefühl ist mit all den traumatisierten Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen und Senioren. Die, die ihre Heimat unter unbegreiflichen Umständen verlassen mussten, verlassen konnten – überlebt haben. Die alles zurück lassen mussten, was ihr Leben ausgemacht hat. Auf der Suche nach ein klein wenig Ruhe.
Deren Ruhe auch in Jahren noch gestört werden wird, weil die Erlebnisse, die sie hinter sich lassen wollten, doch mitgebracht haben.
Jahre lang werden sie die Bilder von Blut, Feuer, Gewalt, Zerstörung und weinenden, schreienden und sterbenden Menschen nicht aus ihren Träumen verbannen können.

BloggerfuerfluechtlingeRefugeeswelcome

 

Anstatt zu schweigen…

Aus diesem Grund ist es mir ein besonderes Anliegen, mich hier klar zu positionieren. Ich bin dafür, Menschen einen sicheren Ort zu bieten, die es nötig haben.
Wir dürfen Menschen nicht im Stich lassen, weil unser eigenes Ego uns im Wege steht. Wir sollten Menschen so behandeln, wie wir es für uns selbst und all unsere Lieben wünschen würden.

Und weil die Medien uns schnell mit einem falschen Weltbild vor unseren Bildschirmen sitzen lassen, sodass wir denken: die Welt ist schlecht! – habe ich mich um so mehr gefreut, als meine Timeline in den sozialen Netzwerken zeigte, dass viel mehr Menschen Anteil nehmen, als zu hetzen. Es gibt mehr Menschen mit Verständnis die helfen wollen, als die, die blind vor Hass sind.

Darum habe ich es mir auch nicht nehmen lassen und setze mich nun gemeinsam mit anderen Bloggern für die Initiative #bloggerfuerfluechtlinge ein. Wir nutzen unser Netzwerk und sammeln Spenden für diverse Organisationen, die sich um die Unterbringung, Versorgung und Bedürfnisse der Vertriebenen kümmern.
Gemeinsam wollen wir zeigen, dass es toll ist, zusammen etwas auf die Beine zu stellen. Und vor allem, dass man auch mit kleinen Gesten viel bewirken kann.

Was könnt ihr tun?

Geht auf unsere Homepage Blogger für Flüchtlinge und unterstützt unsere Initiative #bloggerfuerfluechtlinge. Wir haben hier für euch Organisationen zusammen gesucht, die Flüchtlingen helfen. Spendet für unsere aufgelisteten Projekte. Es müssen keine Unsummen sein – auch Kleinvieh macht Mist 😉 Überlegt mal was zusammen käme, wenn jeder Haushalt in Deutschland nur 10€ spenden würde.

Und wenn ihr doch kein bisschen im Portmonnaie zusammenkratzen könnt, spendet Zeit. Es gibt tolle Patenschaftsprogramme, bei denen ihr helfen könnt. Geht zu euren umliegenden Anlaufstellen, die sich um die Flüchtigen kümmern und fragt nach, ob ihr etwas tun könnt. Selbst ein Nachmittag kann da entlasten und ihr bekommt sogar noch etwas geschenkt: eine neue Erfahrung und die Möglichkeit, Berührungsängste abzulegen.
 Lucie Marshall und Mareice vom Kaiserinnenreich haben hier interessante Erfahrungen gemacht.

Und wenn ihr weder Zeit, noch Geld habt, schaut nach ausrangierten Dingen, die ihr nicht mehr braucht, anderen aber eine Freude bereiten könnten. Fragt dazu am besten einmal nach, was die Hilfestellen in eurer Region noch dringend benötigen könnten und fragt euch, ob ihr auf diese Dinge nicht verzichten könnt, weil ihr sie vielleicht im Überfluss habt.

Und wirklich wichtig: Wenn ihr Kinder habt, erzieht sie zu toleranten Menschen, die keine Angst vor Fremdlingen haben, sondern aufgeschlossen und mit Menschlichkeit im Herzen durch die Welt gehen.
Ich habe hier einige Tipps zusammen gefasst, wie ihr euren Kindern Toleranz beibringen und vorleben könnt. So können wir gemeinsam daran arbeiten, dass die Menschen im Jahr 2035 aufgeschlossen und weltoffen miteinander umgehen. Dass dieses Nazi-Pack endlich der bösen Geschichte angehört und wir nachhaltig dafür sorgen, dass die so Welt bunt sein darf, wie sie es eigentlich auch ist.

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Und selbst wenn ihr all diese Dinge nicht zur Verfügung habt, seid ihr nur einen Klick davon entfernt, etwas Gutes zu tun. Teilt diesen Beitrag bei Facebook, Twitter oder anderen sozialen Netzwerken. Teilt relevante Themen und interessante Blogbeiträge unserer Homepage in euren sozialen Netzwerken oder schreibt selbst einen Blogpost (wenn ihr keinen eigenen Blog habt, veröffentliche ich ihn gern auf meinem Blog) und verseht ihn mit unserem Hashtag #bloggerfuerfluechtlinge und http://www.blogger-fuer-fluechtlinge.de/presse/visuals-download/.
Unser Netzwerk ist zusammen so stark und unsere Botschaft ist es wert, verbreitet zu werden.
 So werden die Leute davon erfahren, dass es mehr Menschen gibt, die helfen, als Rassisten, die die Welt nur brennen sehen wollen. Ausserdem gehört ihr so zu denjenigen, die nicht schweigen, sondern den Mund aufmachen.

Wir alle flüchten vor Irgendetwas irgendwann einmal in unserem Leben, aber wir sollen nie die Augen verschließen, wenn andere Menschen unwürdig behandelt werden. Lasst uns die Welt wieder ein klein bisschen besser machen und das auch verbreiten.

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Kategorie Kolumnen
Autor

Hi, mein Name ist Sarah, ich bin 30 Jahre alt und lebe als Sozialpädagogin mit meiner Tochter, unserem Labrador und meinem Partner in Heerlen/Niederlande. Ich habe Mamagogik 2014 ins Leben gerufen, weil ich es liebe zu schreiben, meine Gedanken mit anderen zu teilen und mich auszutauschen. In meiner Arbeit ist es mir wichtig die Stärken der Menschen zu sehen und ihnen auf gleicher Augenhöhe Respekt für ihre Situation aufzubringen.

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