Die Baby-Hund-Lovestory: Liebe geht durch den Magen

Andrea vom Runzelfüsschen Blog hat hier von ihrem Leben mit Kleinkind und Katze berichtet. Gleichzeitig wollte sie gern wissen, wie bei uns so das Leben mit Hund und Kind funktioniert. Und da fiel mir doch tatsächlich auf, dass ich nach dem Artikel, in dem ich darüber berichte, wie man den Hund auf das Baby vorbereitet gar nicht davon berichtet habe, ob wir den Hund mit genügend Baby-Kompetenzen ausgestattet haben oder nicht. Also, hier hab ich mal einen Otto-Normal-Mamagogik-Mit-Kind-Und-Kegel-Tagesablauf für euch

Schwesterliches Teilen am Morgen

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ca. 8 Uhr die Milchschnute erwacht brabbelnd, während ich auf die Uhr schaue und mich frage, warum ich noch so müde bin

8.02 Uhr der Hund kommt schwanzwedelnd ans Bett, haut mit der Rute gegen das Bettgestell – damit auch bloß alle wach werden, während die Milchschnute rücksichtslos über meinen noch leblosen Körper krabbelt. Mit ihrem Fuß in meinem Mund höre ich das erste Glucksen am Tag: die Milchschnute sieht den Hund und die Lovestory des Tages beginnt

8.03 Herr Schatz ist total unbeeindruckt und schläft den gerechten Dornröschen-Schlaf

8.10 Nachdem ich gemerkt habe, dass hier jetzt morgendliches Turnen auf dem Stundenplan steht, resigniere ich und wickle die Dame im Bett. Mit dabei, die nasse Schnauze vom Leela-Launebär, denn die volle Windel riecht ja sooo gut

8.15 Wir Mädels wackeln in die Küche, der Hund ist schon da – erstmal schauen, ob in der Nacht vielleicht irgendwer in der Küche, heimlich und ohne ihr Wissen, etwas gegessen hat und unter dem Küchentisch vielleicht noch Nahrung liegt

8.17 Die Milchschnute wippt fröhlich in ihrem Hochstuhl, der Hund drapiert sich wahlweise davor, rechts, links oder dahinter – je nachdem wo die Kleine gerade mit den Armen rudert.

8.20 Alles steht auf dem Tisch. Herr Schatz wurde scheinbar von irgendeinem Prinzen wachgeküsst, denn er stößt auch zu uns und die Milchschnute hat ihre erste Scheibe Wurst in der Hand – der Hund liegt in Position

8.25 mittlerweile sind ein Stückchen Wurst, zwei Stücke Brot (mit Belag und ohne), eine halbe Tomate und ein großes Stück Ei auf den Fußboden, dem Hochstuhl-Trittbrett oder in die Lätzchen-Tasche gerollt, gefallen, gepappt und geglitten. Über die Drei-Sekundenregel lacht der Hund innerlich, schafft der Leela-Launebär es doch in 0,2 Sekunden alle Lebensmittel fachgerecht zu inhalieren. Krümmel werden verächtlich ignoriert – denn das nächste Stück Fleischwurst wartet bereits an der nächsten Tischkante

8.28 Mama und Papa sind sich nicht sicher: Ist das Kind wohl satt? Ein Stückchen Leberwurst-Brot klebt an der einen Hand, während sie sich suchend nach der Hunde-Dame umdreht. Irgendwo muss sie doch stecken… – Halte ich doch mal die Leberwurst-Hand hin – Ein entzücktes Kichern erhellt den Raum – der Hund leckt die Hand ab, in deren Faust immer noch ein Rest Wurstbrot steckt. Die Faust wandert zum Mund – und, was soll ich sagen? Die Chance steht 50 zu 50 ob wir es rechtzeitig verhindern können, die Milchschnute zu entwaffnen. Jedes Nahrungsmittel das sie nun in die Finger bekommt wird leidenschaftlich mit dem Hund geteilt.

8.35 Die Milchschnute hat keinen Hunger mehr, malt aus lauter Langeweile Frischkäse-Bilder auf den Küchentisch und der Hund liegt mit dickem Bauch unterm Tisch und fragt sich, warum dieses Baby erst 1 Jahr nach ihr in dieses Haus gezogen ist

Diese Situation wird zu jeder Mahlzeit wiederholt und ist mittlerweile ein eingesessenes Ritual.

Kleine Wasserspielchen

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11.53 Nachdem die Milchschnute ihren Vormittags- und Leila ihren Verdauungsschlaf gehalten haben, wird in der Küche die Spülmaschine ausgeräumt und das Baby robbt über den Küchenboden. Die Entscheidung wohin sie robbt, fällt nicht schwer, macht dieses runde, glänzende Wasserdings doch mächtig Eindruck auf die Milchschnute. Die Finger also nach der langen Reise schnell ins kühle Wassernapf-Nass gehalten, eile ich schon dorthin, um größere Überflutungen zu verhindern. Das Baby wird gepackt und Kran-artig wieder in die Mitte der Küche platziert.

11.55 Die zentrale Sicht über den Raum lässt die Milchschnute erkennen, dass es von hier genauso weit zum Hund, wie zum Jahrhundertflut-Auslöser ist. Die Chancen, dass die Mission verfrüht gestört wird, liegt beim ersten Ziel jedoch geringer.

11.56 Die Milchschnute quietscht vergnügt, als sie endlich den Hund unter dem Tisch erreicht. Das Kind wird kurz beschnuppert – hat noch Fleischwurst-Partikel an Hand/Mund/Ohr/Haarpartie die aber nicht satt machen. Also steht der Hund auf und trottet genervt die Treppen ins Wohnzimmer nach oben. Die Milchschnute ist kurz enttäuscht, akzeptiert den Freiheitsdrang der Hundedame allerdings – notgedrungen

12.30 bis 13 Uhr siehe morgendliche Esssituation und ersetze Fleischwurst gegen Broccoli, Brot gegen Kartoffel, Frischkäse gegen Apfelmus

Ring frei

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15.30 Werden Hund und Kind nicht an der Luft gemeinsam gelüftet und stehen auch sonst keine Termine an, gibt es Bespaßung Zuhause. Während die Milchschnute auf dem Spielteppich jedes Spielzeug noch einmal so betrachtet, als würde sie es zum ersten Mal sehen, liegt der Leela-Launebär auf dem Teppich, auf dem sie munter ihr Fell abwirft (wo kommen eigentlich diese ganzen Haare her? Müsste der Hund nicht langsam nackt sein??) und Mama probiert mal die Post zu sortieren, Rechnungen zu bezahlen oder einen Blogpost zu verfassen. Immer mit einem Auge auf Hund in der einen Ecke des Rings und dem Kind in der anderen Ecke.

15.40 Das Kind merkt, dass es das Spielzeug doch schon kennt und wird neugierig was denn der Hund da so treibt. Sie robbt und krabbelt an die andere Ecke des Rings, ihren Sparringpartner stets anvisiert. Das Telefon klingelt, ich nehme ab und sehe im gleichen Moment, wie die Milchschnute dem Hund das Gummihühnchen entwendet hat und munter darauf herum kaut. Der Hund, etwas eingeschnappt, nimmt sein Naturkautschuk-Kauspielzeug. Sie schaut noch einmal etwas reumütig auf das Baby, wie ich versuche das Hühnchen in meine Gewalt zu bringen, und trottet von dannen.

15.42 Die Milchschnute sitzt geparkt vor ihrem Spielzeug, in der Mitte des Spielteppichs, und bespricht ihr Spielzeugtelefon. Währenddessen versuche ich erneut etwas in meine Tastatur zu hauen. Der Hund liegt mittlerweile doch wieder beim Kind – so allein auf seinem Platz ist ja irgendwie auch blöd.

15.45 Das Baby hat wieder ein Auge auf den großen braunen Fellknäuel geworfen. Ich klappe resigniert den Laptop zu und geselle mich zu den Beiden. Wir liegen gemeinsam auf dem Teppich, der Hund ist ganz aufgeregt, weil ihr endlich alle auf Augenhöhe begegnen und leckt mir erst einmal durchs Gesicht. Die Milchschnute wird von der wedelnden Rute hypnotisiert und möchte nun unbedingt dieses schwingende Ding mal anfassen.

15.47 Der Leela-Launebär hat sich etwas beruhigt und liegt direkt neben uns. Die Milchschnute pult ihr mit dem Fingerchen wahlweise in der Nase oder in einem ihrer Ohren. Ich lobe die Hündin für ihre Geduld. Sie denkt an das bevorstehende Abendessen und hofft, dass ich zum Dank den Brei gegen irgendetwas eintausche, das leicht vom Tisch rollen kann. Wir spielen, kuscheln und ärgern uns gegenseitig noch ein bisschen. Bis wir hinunter in die Küche gehen, wohin Leela uns unaufgefordert folgt.

Abendbrot macht Augen rot

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18.03 Das Baby sitzt im Hochstuhl, wackelt mit den Beinen – der Hund steht mit seinem Kopf dazwischen und wackelt mit der Rute. Mama deckt den Tisch, während die Milchschnute ihn wieder abdeckt. Der Leela-Launebär prüft kurz, ob etwas essbares hinuntergeworfen wurde und nimmt dann wieder die Gefechtsstellung unter dem Tisch ein.

18.05 Das Baby isst Toastbrot mit Mandelmus, was der Hund natürlich bereits erschnüffelt hat.

18.25 Die Milchschnute beginnt mit der rechten Hand ihre Vierpfötige-Freundin mit dem Toast zu füttern und mit der Linken reibt sie sich das Mandelmus müde in die Augen. Und in die Haare. Und in ihr Shirt.

18.27 Mama befreit das Baby vom Abendessen im Gesicht und Haar und räumt den Tisch ab. Im Anschluss klemmt sie dem Hund beim Schließen des Geschirrspülers fast die Schnauze ein, als diese mal wieder zu tief in der Maschine steckt. Das Dreiergespann verlässt die Küche und Mama läutet das Abendritual ein.

Süße Träume

19.00 Mama und Baby liegen im Bett, es wird Einschlaf-gestillt und der Leela-Launebär liegt dösend vor dem Bett in dem wir liegen. Die Milchschnute träumt wahrscheinlich davon, wie sie ihre Fingerchen im Wassernapf badet. Die liebe Hündin mit großer Sicherheit, wie das Baby irgendwann einmal einen ganzen Braten essen möchte, ihn aber nicht halten kann, er somit der Schwerkraft erliegt und direkt vor ihre Pfoten rollt.

Epilog

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Als ich schwanger war, wurde ich mit dem Junghund an der Leine oft gefragt, ob DAS so geplant gewesen wäre – ein Baby und ein pubertierender Hund. Mal davon abgesehen, dass ich diese Fragerei ganz schrecklich fand, war es natürlich nicht geplant und es war während der Schwangerschaft auch nicht immer leicht. Sie zog an der Leine, vergaß vom einen Moment auf den anderen, alles, was in der Hundeschule antrainiert wurde und wir fragten uns oft, ob wir solch einen Rüpel wirklich in die Nähe eines Babys lassen könnten.

Zum Glück ist die Hundedame nun etwas älter geworden und im Umgang mit dem Baby sind wir immer wieder erstaunt, wie dieser Hund so sanftmütig, ausgeglichen und robust sein kann, wenn sie doch draußen eine richtige Rakete ist. Irgendwie spürt sie, dass die Milchschnute unser Junges ist und sie genießt jeden Augenblick, in dem sie ein Mitglied unserer kleinen Familie sein kann.

Die Milchschnute liebt ihren braunen Fellknäuel. Niemanden hat sie in den ersten Monaten so vergnügt angequietscht, wie die Hundedame, wenn sie dem Baby ins Sichtfeld lief. Für sie scheint der Wauwau kein Tier zu sein, sondern ein vollwertiges Familienmitglied – deshalb teilt sie wohl auch so gern ihr Essen. Wenn sie sie füttert, freut es sie so sehr, dass sie vor Vergnügen quietscht und wenn Leela ihre Händchen ableckt kichert sie lauthals. Sie ist tagtäglich damit beschäftigt dem Hund hinterher zu krabbeln, was gerade in der Anfangszeit ihre Hauptmotivation war, um sich durch die Wohnung zu robben.

Aber bei aller Freundschaft: Uns ist es auch wichtig, dass beide ihre Grenzen und Rückzugsmöglichkeiten haben. Die Milchschnute muss lernen, dass es Zeiten gibt, in denen der Hund ihr nicht als Spielzeug zur Verfügung steht. Dass sie ein Lebewesen mit Gefühlen ist, dem man nicht weh tun darf.
Und der Hund muss lernen, dass er in der Rangordnung unter dem Baby steht. Sie muss es ertragen, wenn die Milchschnute ihr das Spielzeug wegnimmt und akzeptieren, dass es Plätze in der Wohnung gibt, an denen sie nichts zu suchen hat. Sie hat ihren Platz und dort wird sie Ruhe vor dem Wirbelwind haben.

Und ich? Ich habe viel Arbeit, sowohl mit Kind als auch mit dem Hund. Anfangs war es gar nicht so einfach mit dem Hund Gassi zu gehen und das Baby dabei zu haben. Aber dank Tragetuch ließ es sich etwas einfacher gestalten und mittlerweile läuft der Leela-Launebär sogar richtig gut am Kinderwagen.
Ich musste mich lange Zeit daran gewöhnen, dass das Baby am frisch gewaschenen Body Hundehaare kleben hat oder sie nun haarige Händchen hat, wenn sie über den Boden krabbelt.
Leider kann ich es auch nicht immer vermeiden, dass die Milchschnute sich Essen in den Mund steckt, an dem der Hund zuvor geleckt hat. Aber ich rede mir einfach weiter ein, dass die Milchschnute genau deshalb so selten krank war, in der Vergangenheit, und dass das alles ein guter Preis dafür ist, dass das Baby mit einem allerersten besten Freund aufwachsen kann.

Habt ihr auch ein paar nette Anekdoten zum Leben mit Kind und Fellknäuel? Wie handhabt ihr die Sache mit krabbelndem Baby und fellabwerfenden Vierbeiner? Und wie viel Tierfutter hat euer Kind schon gefuttert?

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Kategorie Kolumnen
Autor

Hi, mein Name ist Sarah, ich bin 30 Jahre alt und lebe als Sozialpädagogin mit meiner Tochter, unserem Labrador und meinem Partner in Heerlen/Niederlande. Ich habe Mamagogik 2014 ins Leben gerufen, weil ich es liebe zu schreiben, meine Gedanken mit anderen zu teilen und mich auszutauschen. In meiner Arbeit ist es mir wichtig die Stärken der Menschen zu sehen und ihnen auf gleicher Augenhöhe Respekt für ihre Situation aufzubringen.

1 Kommentare

  1. Hallo Sarah. Ich war absolut begeistert von deinen Erzählungen mit den beiden Schätzen. Ich habe uns (meine 10 Monate alte Tochter und mein 40kg Mischlingsrüden) in jeder einzelnen Situation wiederfinden können und finde es toll wie unkompliziert du die Dinge angehst. Der Wassernapf ist immer besonders nervig da sie Ärmelchen getränkt werden. Unsere kleine liebt es ihr Essen fallen zu lassen und zu zu sehen wie Loki sich freut dass es Mal wieder Leckerbissen regnet. Besonders entzückend findet sie es auch wenn sie von Wagen die Leine zu fassen bekommt und ihren großen schwarzen Spielpartner selbst führen kann. Es ist schön wenn Kinder mit Tieren aufwachsen können, diese lernen dabei von Beginn an so viele wichtige Dinge. Ich wünsche euch alles Gute für die Zukunft. Grüße.

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