Mein perfekter Muttertag

Morgen ist es soweit: mein aller erster Muttertag steht vor der Tür. Und da ich mich in diesem Jahr leider noch nicht über ein selbstgemaltes Bild, ein gebasteltes Schmuckkästchen oder selbstgepflückte Blumen freuen kann, habe ich mir mal Gedanken dazu gemacht, was für mich der Muttertag eigentlich bedeutet und wie ich ihn mir dieses Jahr und auch in Zukunft vorstelle.

Tradition oder Kapitalismus?

Viele Stimmen behaupten ja, der Muttertag sei reine Geldmacherei, angetrieben von Firmen die Frauen-Accessoires herstellen, von Floristen oder der Grußkarten-Industrie. Ähnlich wie am Valentinstag die Geschäfte in einen roten Farbeimer getunkt werden und Dekorationen aus Rosen und Herzen die Partner zu mehr romantischen Gefühlen anheizen sollen.

Der tiefere Sinn besteht wohl jedoch darin, seiner Mutter dafür zu danken, dass sie immer da ist und selbstlos alles für das Kind tut, was nötig ist. Aber brauche ich dafür einen bestimmten Tag im Jahr?
Wenn meine Mutter etwas für mich getan hat, bedanke ich mich direkt bei ihr. Wenn ich rührselig werde, nehme ich sie auch so in den Arm und gebe ihr einen Schmatzer. Am Ende jedes Telefonats bekommt sie ein Ich-liebe-dich von mir zu hören. Für all das, brauche ich den Muttertag also nicht wirklich.

Als Kind war der Muttertag etwas ganz besonderes für mich. Ich habe mir besonders viel Mühe bei den Basteleien im Kindergarten gegeben und habe mich noch einige Monate, ach sogar Jahre, später darüber gefreut, wenn sie meine selbstgemachte Schmuckschatulle benutzt hat. Ich hatte die Möglichkeit, meiner Mutter eine Freude zu machen und sie freute sich. Das ist doch schön.

Später dann war das Basteln uncool und das Taschengeld zu schnell ausgegeben, also gab es Frühstück ans Bett und eine dicke Umarmung oder Gutscheine für den Haushalt. Meine Mutter bekam einen Tag, neben ihrem Geburtstag, besondere Aufmerksamkeit. Das fand ich toll.

Und als dann der erste Schüler-Nebenjob erledigt wurde, fand ich es toll meiner Mutter ein neues Parfüm zu kaufen oder ein paar Ohrringe. Dinge für die sie selbst zu geizig war, die sie sich nicht gönnen wollte, weil andere Sachen wichtiger waren. Ich fand es wichtig ihr zu zeigen, dass sie es mir wert ist, wenn sie sich doch nicht für so wichtig hielt.

Und als ich dann erwachsen wurde, wurden die Aufmerksamkeiten eigentlich nebensächlich. Wichtig war, dass wir zusammen waren. Auch wenn wir nicht mehr in der selben Wohnung, der selben Stadt, ja sogar dem selben Land gewohnt haben, so wollte ich ihr zeigen, dass ich meine Zeit gern mit ihr verbringe. Und das ist heute auch noch so.

Eine gerechte Entlohnung

Mir geht es also nicht um die großen oder kleinen Aufmerksamkeiten, sondern der Gedanke dahinter: ich sehe was du für mich getan hast und deshalb möchte ich dir eine Freude machen, egal wie.

Na und nun bin ich selbst eine Mama. Ich weiß wie es ist, jeden Tag für jemanden verantwortlich zu sein und immer abrufbereit. Ich weiß wie viel Arbeit der Haushalt neben dem Baby macht und dass eine Mama selbst schnell zu kurz kommt, weil alles andere wichtiger ist. Ich merke, dass ich manchmal ausgelaugt bin und mich frage, wie ich es schaffe, jeden Tag erneut wieder aufzustehen. Und ich merke, dass das Glück meines Kindes für diese Energie verantwortlich ist.

Durch meine eigene Rolle als Mama weiß ich, dass das was man jeden Tag leistet, gar nicht bezahlt werden kann und auch gar nicht muss, denn das Endergebnis ist schon eine tolle Entlohnung. Da wäre also wieder diese Selbstlosigkeit.

Was aber wünsche ich mir zum Muttertag? Wie möchte ich ihn verbringen, welche Tradition möchte ich einführen?

Meine Muttertags-Wünsche

Wenn ich also davon ausgehe, dass der Muttertag für mich ein Tag ist, an dem die Leistungen einer Mutter wertgeschätzt werden und ihr eine Freude gemacht werden soll, dann sieht mein perfekter Muttertag aus wie folgt:

  • einen Tag lang keine Hausarbeit erledigen, sondern nur Zeit für die Familie nehmen. Zeit füreinander zu haben ist wichtiger als der Wäsche-Berg, der einfach auch noch einmal einen Tag warten kann.
  • einen Tag lang kein „Mamaaaaaaa, Mama, Maaaahaaamaaa!“. Aber es darf nach Herzenslust der Papa gerufen werden. Sämtliche Zuständigkeiten gehen an diesem Tag also an den Papa. Im Moment hieße das also: Windeln wechseln, Brei anrühren und füttern, Spucke wegwischen und Einschlaf-Schuckeln übernimmt der andere Elternteil, der das übrigens genauso toll kann. Und Mama macht einen Tag lang mal Pause.
  • das führt natürlich unweigerlich zu dem nächsten Punkt: Mama hat Küchenverbot. Entweder schwingt der Papa die Töpfe oder wir gehen essen, bestellen etwas mit dem Lieferdienst nach Hause oder machen einen Tag Null-Diät. Ich werde jedenfalls nicht kochen.
  • auch Mama hat eine Mama. Und die will sie auch gern sehen, ihr danke sagen und sie in den Arm nehmen. Also wird der Familienausflug entweder zur Oma geplant oder die Oma kommt zu uns. Wahlweise kann der Papa auch gern den Alleinunterhalter spielen und das Kinderprogramm abspulen und die Mama fährt allein zu ihrer Mama.
  • Zeit nur für mich. Entweder lasse ich mich im Spa verwöhnen oder ich treffe mich mit Freundinnen zum Brunchen im Café. Auf jeden Fall möchte ich für ein paar Stunden an diesem Tag nicht Mama, sondern Sarah sein, nicht an ein zahnendes Baby denken müssen oder an dem staubigen Regal vorbei gehen um mich davon abzulenken nicht doch den Staubwedel zu schwingen.

Ich glaube das war es auch erst einmal. Ich behalte mir natürlich vor, diese Liste von Jahr zu Jahr abzuändern und an die Pflichten und Verantwortlichkeiten anzupassen, die ein Kindergartenkind, Schulkind oder Pubertäts-Teenie so mit sich bringen.

Ich bin auf meinen ersten Muttertag jedenfalls sehr gespannt und hoffe er hat 36 Stunden, damit ich meine Forderungen auch alle schön geniessen kann.

 

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Kategorie Elternschaft
Autor

Hi, mein Name ist Sarah, ich bin 30 Jahre alt und lebe als Sozialpädagogin mit meiner Tochter, unserem Labrador und meinem Partner in Heerlen/Niederlande. Ich habe Mamagogik 2014 ins Leben gerufen, weil ich es liebe zu schreiben, meine Gedanken mit anderen zu teilen und mich auszutauschen. In meiner Arbeit ist es mir wichtig die Stärken der Menschen zu sehen und ihnen auf gleicher Augenhöhe Respekt für ihre Situation aufzubringen.

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