Der 5. Monat

Liebe Milchschnute,

wie schnell die Zeit vergeht, merke ich auch immer an diesen Berichten. Mir kommt es nämlich noch gar nicht so lang vor, dass ich den Letzten geschrieben habe.

Im vergangenen Monat haben wir beide unsere Tage besser geplant. Du bist zwar nach wie vor eine Nachteule und am Morgen ein Murmeltier, aber so langsam können wir die Uhr danach stellen, wann du gern spielen möchtest, wann du Hunger bekommst, du kuscheln möchtest und wann du zu müde zum Schlafen bist.

Du bist am Tag wirklich ein kleiner Sonnenschein. Du lachst viel und lässt dich für vieles begeistern. Du kannst aber auch ganz ruhig sein und den Moment genießen. Und wenn du weinst, dann beinahe ausschließlich, weil du einfach müde bist.

Ich genieße die Stillzeiten mit dir sehr, auch wenn du seit ein paar Wochen mittags deinen Brei bereits bekommst. Aber dir ist es auch wichtig ganz nah bei mir zu sein, dich an mich zu kuscheln und mir beim Trinken tief in die Augen zu schauen, so dass ich mich in Deinen ganz leicht verlieren kann.

Wir haben in den letzten Wochen einige Kontakte geschlossen. Wir treffen uns regelmäßig mit anderen Babys und Müttern, damit wir bei dem kalten Wetter trotzdem ein wenig vor die Tür kommen. Du findest die anderen Babys interessant, auch wenn du sie im Moment lieber noch ganz gern aus der Ferne beobachtest.

Und wir gehen jetzt auch gemeinsam zum Babyschwimmen. Wasser ist dein Element. Du ruderst mit den Beinchen und Armen, als hättest du nie etwas anderes getan. Du lachst und hast sichtlich Spass dabei, schwerelos im Wasser herum zu treiben. Du bist mutig und lässt dir das Wasser über den Kopf gießen, ohne danach schlechte Laune zu bekommen. Und du magst es, wenn wir im Wasser singen und Blödsinn machen.

Gewicht: 7470g
Größe: 61cm
Kopfumfang: 42cm
Kleidergröße: 68
Baby liegt auf einer Spieldecke auf dem Bauch
Das Bild zeigt einen Lichtprojektor für Babys
Ein Baby liegt unter einem Spielbogen

Du liegst gern auf der Spieldecke und vergnügst dich mit der neuen Krabbelrolle. Du liebst den Sternenprojektor am Abend. Und der Spielbogen macht dir besonders viel Spaß.

Das findest du toll:

  • Leela! Wo immer sich der Hund hier im Haus bewegt, deine Augen folgen ihr. Du streckst bewusst dein Händchen nach ihr aus, weil du sie berühren möchtest. Und Leila freut sich, lässt das alles seelenruhig mit sich machen und legt sich immer als Erste zu dir auf den Boden, sobald du mit deinem Spielbogen beschäftigt bist. Vor ein paar Tagen hast du ihr sogar Leckerchen gegeben und hast dich ganz doll gefreut, wenn Leila ganz sachte das Leckerli aus deiner Hand bekommen hat.

  • aus dem Glas trinken ist für dich keine Herausforderung. Du trinkst Wasser nur aus einem Becher oder Glas, denn Schnabeltasse oder Fläschchen interessieren dich nicht. Am liebsten würdest du das Glas auch selbst halten, aber das klappt noch nicht ganz.

  • wenn Mama und Papa mit dem Kopf wackeln. Warum auch immer, du findest es großartig wenn wir vor dir den Kopfschütteln und wackeln lassen. Du kicherst dann laut und lachst.

  • den Sternenprojektor mit Schlaf und Entspannungsmusik, sowie alle deine Spieluhren. Anfangs hast du dich von den Liedern gar nicht beeindrucken lassen, aber seit ein paar Wochen hörst du andächtig zu, wenn die Lieder aus dem Projektor oder den Spieluhren ertönen. Du bist fasziniert von dem Farbwechsel des Projektors und ich bin froh, dass wir ihn von einer lieben Freundin zur Geburt geschenkt bekommen haben. Dieses Ding gehört nun auch fest in unser Abendritual.

  • seitdem wir die Rückenlehne der Babyschale im Kinderwagen etwas angehoben haben und du ganz interessiert durch die Weltgeschichte schauen kannst, findest du es im Kinderwagen auch ausnahmslos toll. Da wir im Moment Probleme mit dem Hop-Tye haben, passt es auch ganz gut und wir gehen so gern ein paar Runden spazieren.

  • Brei essen (im Moment erstmal nur Möhrenbrei) findest du lecker und machst das auch schon ganz schön toll. Du machst den Mund weit auf, wenn der Löffel kommt und wenn wir dir nichts anderes in die Hände geben, dann würdest du selbst den Löffel am liebsten selbst halten. Du hast auch schon an einer Brotkruste gesaugt, aber so richtig weißt du noch nichts damit anzufangen. Wenn du jedoch siehst, das wir am Tisch etwas essen, möchtest du es uns am liebsten aus der Hand nehmen. Jedes Glas, aus dem ich trinke wenn du auf meinem Arm bist, möchtest du umgehend mit deinen Händen umfassen und daraus trinken.

Baby wird mit Brei gefüttert
Baby trink aus einem Becher
Baby umfasst den Finger der Mutter

Und gerade weil du jetzt immer selbstständiger wirst, genieße ich die Stillzeit um so mehr mit dir.

Das findest du doof:

  • weiterhin das Anziehen deiner T-Shirts oder anderen Oberteilen. Du weinst schrecklich und hast spätestens ab diesem Zeitpunkt keine Lust mehr auf der Wickelkommode zu liegen.

  • Sauger, Schnuller, Schnabeltasse – alles was nicht Mamas Brust ist, wird nur zum kauen benutzt aber nicht zum nuckeln oder trinken. Aber so lange du nicht auf mir herum kaust, ist das wohl in Ordnung.

  • in der Schwimm-Umkleide fertig angezogen zu sitzen und darauf zu warten, dass ich fertig werde findest du langweilig und doof. Wahrscheinlich ist dir dann auch sehr warm. Du schreist dann jedenfalls und gibst dich erst zufrieden, wenn ich den Babysafe hochgenommen habe und dich aus dem Schwimmbad trage.

Das hat uns überrascht:

scheinbar bist du, glücklicherweise, immun gegen die Bazillen die hier seit einigen Wochen herumfliegen. Erst kam dein Opa mit einer starken Erkältung zu Besuch, bei dem ich mich angesteckt habe, und nun huste und schnupfe ich hier herum. Aber du bist fit wie ein Turnschuh und lässt dich zum Glück nicht anstecken.

Baby sitzt im zugeschneiten Auto
Baby im Winteranzug auf dem Arm der Mutter
Baby liegt auf dem Bauch auf dem Bett

In diesem Monat brach auch endlich der Winter ein und auch wenn wir uns deshalb nicht eingesperrt haben, war es Zuhause doch am kuscheligsten.

So geht es Mama und Papa:

Herr Schatz ist weiterhin damit beschäftigt seine Klausuren vorzubereiten und ist im Lernstress. Auch wenn er nur wenig Zeit hat, sehe ich, dass er seine Kraft aus der Zeit mit der Milchschnute ziehen kann. Auch wenn er sicherlich gern mit zum Babyschwimmen kommen wollen würde. Es macht ihm jedenfalls sichtlich Spass, sie zu füttern, zu baden und mit ihr zu spielen. Auch wenn etwas anderes im Moment mehr Platz einnehmen muss.

Bei mir gibt es Tage an denen ich das Mama-Dasein sehr geniesse. Ich liebe es mit der Milchschnute Blödsinn zu machen, sie zum Lachen zu bringen und mit ihr zu kuscheln.
Es gibt aber auch weiterhin Tage, an denen es mich sehr belastet, nicht auch einmal Feierabend zu haben. Besonders in den letzten Wochen musste ich abends schon mit ihr gemeinsam ins Bett gehen und konnte mich nicht davon schleichen, ohne dass sie wach wurde. Es ist manchmal hart Herrn Schatz den Rücken frei zu halten, für das Studium und selbst dabei erst einmal hinten an zu stehen. Es gibt Tage an denen kann ich es besser akzeptieren und es gibt Tage, da fällt es mir sehr schwer.

Manchmal habe ich das Gefühl ich verblöde hier. Der Austausch mit den anderen Müttern ist toll, allerdings spreche ich aus meiner Rolle als Mutter mit ihnen und so manches Mal frage ich mich, wo eigentlich meine Rolle als Sarah, als Frau und Sozialpädagogin geblieben ist. Und dann schiessen mir tausend Ideen in den Kopf. Ideen, wie ich mich weiterbilden kann, Geld dazu verdienen könnte, kreativ sein kann oder einfach nicht verblöden muss. Und dann bin ich hin und her gerissen. Denn eigentlich möchte ich die Zeit mit meiner Tochter geniessen. Ich möchte bei den vielen ersten Malen dabei sein, die jetzt kommen. Ich möchte diese Zeit genießen. Und dann schreibe ich diese Ideen auf und packe sie weg, für den Zeitpunkt wenn ich wirklich so weit bin – und die Milchschnute auch.

Nächsten Monat ist das erste halbe Jahr bereits herum – unglaublich.

Bis dahin,

eure Sarah

Kategorie Archiv
Autor

Hi, mein Name ist Sarah, ich bin 30 Jahre alt und lebe als Sozialpädagogin mit meiner Tochter, unserem Labrador und meinem Partner in Heerlen/Niederlande. Ich habe Mamagogik 2014 ins Leben gerufen, weil ich es liebe zu schreiben, meine Gedanken mit anderen zu teilen und mich auszutauschen. In meiner Arbeit ist es mir wichtig die Stärken der Menschen zu sehen und ihnen auf gleicher Augenhöhe Respekt für ihre Situation aufzubringen.

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