Mama unter Stress: Realitätsverschiebung durch Pinterest und Co?

Die sozialen Medien wie Instagram, Pinterest, Facebook, Twitter etc. sind aus dem heutigen Alltag eines Smartphone-Nutzers kaum mehr weg zu denken. Für viele gehört das Lesen von Timelines vor dem Aufstehen aus dem Bett morgens genauso zur Routine, wie der Kaffee oder Tee zum Frühstück. Und die Neuigkeiten aus dem Leben der Freunde oder Internet-Bekanntschaften werden heutzutage neugieriger verfolgt, als die Tagesnachrichten im Fernsehen oder der Tageszeitung.

Dass das routinemäßige Nutzen von Facebook und Co. allerdings auch süchtig machen kann, wurde in den Medien bereits häufig thematisiert. Ebenso wurde bekannt, dass social Media zu depressiven Verstimmungen führen und Stress verursachen kann.

So berichtete beispielsweise die Süddeutsche online, dass das Lesen der Neuigkeiten bei Facebook bei vielen Usern eine Realitätsverschiebung bewirken kann. Im Allgemeinen werden nämlich eher die glücklichen Momente im Internet geteilt, als das “normale Leben”, das oftmals von Problemen und unglücklichen Episoden bestimmt wird. Durch das Ausklammern der weniger glücklichen Situationen, bekommen die Nutzer der sozialen Medien den Eindruck, dass das Leben der Freunde interessanter und glücklicher scheint als das eigene.

Eine Umfrage zeigte außerdem, dass vorallem weibliche Nutzer (hauptsächlich Mütter) des Anbieters Pinterest verstärkt unter Stress gesetzt werden, in dem sie sich die neuen Pins anschauen, sammeln und weiter pinnen. Durch die hübsch angerichteten Mahlzeiten, die trendigen Wohnideen und die Vielzahl von neuen Do-it-yourself-Ideen würden die weiblichen Nutzer einem Gefühl der Unzulänglichkeit ausgesetzt werden. Die neuen Rezepte und Beauty-Ideen umzusetzen, während man beispielsweise Teilzeit arbeitet und den Haushalt und eine Familie zu versorgen hat, scheint für viele Frauen zwar erstrebenswert, allerdings praktisch kaum umzusetzen.

Mutter Depression

Social Media – wofür eigentlich?

Soziale Medien ermöglichen den Nutzern untereinander zu kommunizieren. Sie bieten eine Plattform auf der sich Menschen in Text- oder Bildform untereinander austauschen.

Als Bloggerin nutze ich die sozialen Netzwerke, um meine Artikel zu promoten, mit Lesern und anderen Bloggern in Kontakt zu stehen und mich auf dem neuesten Stand zu halten. Sie sind für mich ein hilfreiches Mittel um zu netzwerken.

Privat nutze ich Pinterest z.B. bereits seit einigen Jahren und ich könnte Stunden damit verbringen die verschiedenen Kategorien zu durchstöbern. Ich stelle mir meine Traumhochzeit zusammen, in dem ich mich durch die tollen Hochzeitsfotos klicke, oder lasse mich durch die DIY-Ideen ermutigen, mal wieder etwas kreatives zu machen. Die Pins im Bereich Wohn- und Klamottentrends inspirieren mich, meine Wohnung und den Kleiderschrank neu auszustatten und Rezeptideen könnte ich ja mal für den nächsten Anlass ausprobieren.

Social media icons

Instagram ist eine tolle Möglichkeit für mich ein digitales Fotoalbum anzulegen, meinen Lesern einen Blick hinter die Kulissen zu gewähren und mit ihnen in Kontakt zu bleiben, wenn ich auch gerade mal keine Zeit zum bloggen habe. Außerdem lasse ich mich gern von anderen Nutzern inspirieren und bleibe mit anderen Bloggern in Kontakt. Und auch meine Familie bleibt immer auf dem neuesten Stand, wenn es darum geht, einen Einblick in unseren Alltag zu bekommen.

Auf Facebook halte ich Kontakt zu alten Bekannten, die ich jahrelang nicht mehr gesehen habe, aber es doch interessant finde, an ihrem Leben Anteil nehmen zu können. Oder ich versuche Kontakte zu pflegen, die ich aufgrund unseres Umzuges, meistenfalls nur virtuell aufrecht erhalten kann. Allerdings bin ich hier eher die stumme Betrachterin. Hier mal ein Like für die bestandene Prüfung von XY, da mal ein Smiley für das nette Urlaubsfoto von Blablabla. Nix dolles also. Und doch bin ich täglich mehrmals online. Die Neuigkeiten meiner Timeline durchzugehen ist für mich wie Zeitung lesen: man ist beschäftigt und stets auf dem neuesten Stand.

Senken Pinterest und Co. das Selbstwertgefühl?

An einem Ort wo Menschen sich begegnen und miteinander kommunizieren, da gibt es auch immer Reaktionen aufeinander. Verhaltensweisen wie Mobbing sind im Netz leider keine Seltenheit. Aber es benötigt nicht unbedingt andere, um im Netz unglücklich zu werden.

Oft genug bekomme ich Fernweh, schaue ich mir die Urlaubsfotos meiner Freunde auf Facebook oder Instagram an. Ich gönne ihnen diesen Urlaub von Herzen, aber ich würde auch gern mal wieder verreisen.

Oder ich schaue mir Fotos von Traumhochzeiten auf Pinterest an und sehe mich schon selbst in diesem Kleid und träume von einer großen Feier mit Stuhlhussen, einer Liveband und einer gemütlichen Scheune. Und dann werde ich wach, weil ich bemerke, dass so eine Hochzeit zig Tausende von Euros kostet und ich so eine Hochzeit wohl nie in diesem Ausmaß feiern werde.

Und auch die schlanken Frauen, die topgestylt mit ihrem Baby auf Instagram posieren, mir ihre saubere und supermoderne Wohnung präsentieren und mir einen Einblick in ihr abenteuerliches Leben gewähren, wecken etwas in mir: Unzufriedenheit!
Denn der Alltag mit Baby ist nicht immer einfach. Manchmal sitze ich mit strähnigem Haar, weinendem Kind in einem Berg voll Wäsche und merke, dass ich mal wieder staubputzen müsste. Und spätestens an diesem Punkt frage ich mich dann: Wie schaffen die anderen Mütter es, auf ihren Selfies immer erholt und gepflegt auszusehen? Wieso sieht deren Wohnung immer aus, als wäre sie ein Ausstellungsort im Möbelhaus, obwohl sie zwei kleine Kinder haben? Und wann haben die Zeit ein 3-Gänge-Menü zu zaubern, dieses professionell abzulichten und mit Blogeintrag ins Internet zu setzen, während sie Kind und Hund zu versorgen haben?

Social Media vs Realität

Besonders traurig macht mich der Fakt, dass ich es jetzt, nach fast 12 Wochen, bereits bereue die letzten Wochen meiner Schwangerschaft nicht mehr bildlich festgehalten zu haben. Durch die Wasseransammelung in meinem Körper und die 20kg mehr auf der Waage fühlte ich mich dick und unfotogen. Immer wenn ich mit dem Gedanken spielte, professionelle Fotos machen zu lassen, weil ich dieses Wunder festhalten wollte, entschied ich mich doch dagegen. Ich sah mir die Fotos von schwangeren Frauen an, wie sie ihre Kugel vor die Linse hielten, in einem langen Sommerkleid, mit wehendem Haar im Rapsfeld stehen und dachte mir: So wird es eh nicht aussehen und dann bist du enttäuscht. Also lass es lieber. Dumm! Denn diese Zeit kann mir niemand mehr zurück bringen und ich werde es mir wahrscheinlich lange nicht verziehen können, mir die falschen Vorbilder genommen zu haben.

Mich verunsichern diese virtuellen Leben, in denen ich Zuschauer bin. So sehr, dass ich nicht nur einmal mit dem Gedanken gespielt habe, Instagram, Facebook, Pinterest und Co. Lebewohl zu sagen. Für meinen eigenen Seelenfrieden.

Aber irgendwie hängt man dann doch dran und setzt sich masochistisch immer wieder in diesen Vergleich mit den Leuten, die sich ständig nur im richtigen Licht präsentieren. Die genau DAS eine Selfie hochladen, welches das einzig brauchbare von 30 zuvor geschossenen war. Die vielleicht eine Ausbildung im Medienbereich abgeschlossen haben und genau deswegen wissen, wie sie sich und ihr Umfeld richtig präsentieren müssen.

Deine Freunde – die perfekten Hauptdarsteller?

Und wenn ich, als erwachsene Frau, bereits Probleme damit habe mich von dieser virtuellen Welt und seinen perfekten Hauptdarstellern abzugrenzen wie soll es dann für meine Tochter werden? Sie wird mit den sozialen Medien wie selbstverständlich aufwachsen. Wenn wir Eltern da nicht mit Medienpädagogik ansetzen, um unseren Kids zu erklären, dass jeder sich im Netz stets posititv darstellt, kann die virtuelle Welt ganz schnell ihre reelle Welt werden.

Vor einigen Jahrzenten war die Barbie-Puppe das schlechte Vorbild für all die kleinen Mädchen, die irgendwann davon träumten, langes dickes Haar, einen üppigen Busen, lange Beine und sexy Kurven zu haben. Und in der Pupertät mit der Wahrheit konfrontiert wurden: wir sind nicht perfekt!

Heute sehe ich die Gefahr, dass es das Leben deiner Freunde ist, dass dein Selbstwertgefühl in den Keller zieht. Denn wenn du immer nur die positiven Facetten zu sehen bekommst, von Menschen die erreichbarer als all die Hollywood-Stars sind und deine Nachbarn sind bzw. sein könnten, dann lässt die Realitätsverschiebung nicht lange auf sich warten.

Was können wir also tun, damit wir nicht weiterhin gefangen sind, in einer Realität, die eigentlich gar keine ist? Wie müssen wir diese Medien gebrauchen, damit wir uns durch sie nicht unwohl fühlen?

Bildquelle: pixabay.com

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Kategorie Elternschaft, Gesundheit & Psyche
Autor

Hi, mein Name ist Sarah, ich bin 30 Jahre alt und lebe als Sozialpädagogin mit meiner Tochter, unserem Labrador und meinem Partner in Heerlen/Niederlande. Ich habe Mamagogik 2014 ins Leben gerufen, weil ich es liebe zu schreiben, meine Gedanken mit anderen zu teilen und mich auszutauschen. In meiner Arbeit ist es mir wichtig die Stärken der Menschen zu sehen und ihnen auf gleicher Augenhöhe Respekt für ihre Situation aufzubringen.

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