5 Schritte um dem Mami-Burn-Out zu entkommen

Vor neun Monaten arbeitete ich noch in Vollzeit als Sozialpädagogin in einer Wohngruppe für traumatisierte Kinder und Jugendliche. Ich arbeitete in 24-Std.-Schichten, machte häufig Überstunden und hatte oftmals das Gefühl, mehr Zeit auf der Arbeit als Zuhause zu verbringen.

Frauenpower

War ich dann Zuhause, gab es den Einkauf und den Haushalt um den ich mich kümmern musste. Es mussten Rechnungen bezahlt werden, Briefe zur Post gebracht und das Auto gepflegt werden. Der Hund war mein Hobby.

Heute bin ich Vollzeit-Mutter. Ich stille am Morgen, ich stille tagsüber und ich stille am Abend und in der Nacht. Ich wechsele Windeln und ich beruhige das weinende Kind. Ich gebe Zuneigung und ich helfe dem Baby dabei sich zu entwickeln. Ich bin immer einsatzbereit, 24 Stunden am Tag, 7 Tage in der Woche.

Der Haushalt und der Hund laufen nebenher. Ich habe meine Prioritäten verlagert. Ich tue was ich schaffe.

Einen Antrag auf Urlaub gibt es nicht, geschweige denn Feierabend. Und was macht meine Vertretung?

Er studiert – Vollzeit. Er ist fleißig und geht von 8 bis 16/18 Uhr zur Uni. Nach den Vorlesungen muss er lernen, Hausarbeiten anfertigen und sein Semester planen. Auch am Wochenende hat er nicht frei. Er reißt sich den A** auf, damit wir es irgendwann einmal gut haben.

Und ich? Ich lechze nach ein paar Minuten Ruhe. Möchte für mich sein und meinen Hobbys nachgehen. Bloggen ist zur Zeit reiner Luxus. Und nimmt man mir das Baby für einen Augenblick ab, kann ich doch nicht abschalten. Denn es weint und ich sollte mich als Mutter drum kümmern. Denn ich habe ja sonst nichts zu tun.

Diesen Satz habe ich am letzten Wochenende von einem Familienmitglied zu hören bekommen und seitdem geht er mir nicht mehr aus dem Kopf. Denn eigentlich stimmt es: Neben meinem Job als Mama habe ich zur Zeit nichts anderes zu tun.

Habe ich als “Stay-at-home-mum” nichts anderes zu tun als mich um das Kind und den Haushalt zu kümmern?

Ich habe den Job als Vollzeit-Mutter angenommen und habe scheinbar vergessen das Kleingedruckte zu lesen: Herr Schatz ist mehr als nur ein Vollzeit-Student, denn richtige Freizeit gibt es für ihn nicht. Das heißt, ich bin im Moment „alleinerziehend“, nur auf mich gestellt, und so kommt es mir oftmals auch vor.
Wenn ich dann dochmal meine Zeit einfordere, um mich um mich selbst zu kümmern, habe ich direkt ein schlechtes Gewissen, denn die Zeit die ich hier “vertrödele”, geht von seiner wichtigen Lernzeit ab.

Doch zu jedem Vollzeit-Job sollte eine Erholungsphase gehören. Und dabei geht es nicht darum, was wichtiger ist: mein Wohlbefinden oder unsere Zukunftsabsicherung.

Burn Out Mütter

Erschöpfung als Anzeichen für Schlimmeres?

Fakt ist, dass eine Studie des Müttergenesungswerkes ergeben hat, dass die Anträge auf Mutter-Kind-Kuren gestiegen sind. Im vergangenen Jahr beantragten 49.000 Mütter eine Kur für sich und ihre Kinder. Dabei ging es nur bei 14% der Anträge um Erholungsbedarf der Kinder. Die restlichen 86% der Anträge wurden auf eine Überbelastung der Mütter zurückgeführt. Hierbei ging es um Schlafstörungen, Angstzustände und Kopfschmerzen, welches auf Anzeichen eines Burn-Out-Syndroms zurückzuführen ist. Als Ursachen für dieses Erschöpfungssyndrom werden ständiger Zeitdruck, anforderungen auf der Arbeit und mangelnde Anerkennung angeführt.

Als Mutter kann ich nur so gut sein, wie ich mich selbst auch gut fühle. Denn wenn ich ausgelaugt bin und den Bezug zu meinem eigenen ICH verliere, kann ich weder eine sensibele Partnerin, noch eine einfühlsame Mutter sein.

Das Rollenspiel im Gleichgewicht

Natürlich bin ich Vollzeit-Mutter, aber ich bin zudem auch Vollzeit-Partnerin und Vollzeit-Ich. Alle diese Rollen sind ein Teil von mir und müssen in einem Gleichgewicht miteinander spielen. Nimmt eine Rolle zuviel Platz ein, kann es sein dass eine andere zerbricht. Vernachlässige ich mich also selbst, werde ich frustriert und kraftlos. Die Beziehung könnte schlimmsten Falls zerbrechen oder mein Kind könnte mit einer psychisch erkrankten Mutter aufwachsen müssen.

Balance Mütter

Frühgenug die Reißleine ziehen

Glücklicherweise reflektiere ich mich regelmäßig und kann offen über meine Gefühle sprechen. Ich merke also genau, dass bei mir die Warnsignale angehen. Nun muss ich mich nur um Hilfe und Unterstützung kümmern.
Hilfe einzufordern empfinde ich von jeher als mühsam. Ich glaube dies hat viel mit Minderwertigkeitskomplexen zu tun, die ich so mit mir herum schleppe. Ich selbst helfe gern und auch gern ohne gefragt zu werden. In Rücksichtnahme aufeinander so gesehen. Wenn man mir von allein Hilfe anbietet, kann ich nach kurzer Zeit über meinen Schatten springen und diese Hilfe annehmen. Selbst um Hilfe zu fragen fällt mir jedoch sehr schwer. In meinem Kopf frage ich mich dann, ob ich andere Leute nicht von wichtigen Dingen abhalte, sodass dann vielleicht Unmut beim Helfen entstehen könnte. Verrückt, oder?

Was kann ich ändern?

Wie ich hier bereits geschrieben habe, wohnen die Großeltern der Milchschnute leider zu weit entfernt, um mir eine wirkliche Stütze sein zu können. Wenn wir zu Besuch da sind, geben sich die Großeltern alle Mühe, mich bzw. uns zu entlasten. Für den Alltag allerdings leider zu wenig. Was kann ich also effektiv tun, um meine Rolle als Mutter, Partnerin und Ichselbst wieder in Einklang zu bringen?

  1. Struktur – seit die Milchschnute eingezogen ist, lebe ich irgendwie in den Tag hinein. Ich richte mich nach ihren Bedürfnissen und bemühe mich Termine einzuhalten und meine To-Do-Listen abzuwälzen. So weiß ich jedoch nie so recht, was der Tag eigentlich bringen wird und wundere mich darüber, dass der Tag wieder nur so verflogen ist. Leider lassen sich die Schlafzeiten der Milchschnute noch nicht recht planen und so nehme ich, was ich kriegen kann, denn wenn sie erstmal schläft, habe ich Zeit für mich. Allerdings wäre es hilfreich, wenn ich diese Pausen, wann immer sie auch kommen, besser plane. Sodass ich mich zwingen kann diese Pausen besser zu nutzen.
  2. Prioritäten setzen – ich habe bereits in den vergangenen Wochen gelernt, dass der Haushalt auch mal warten muss. Hier gelingt es mir immer besser mein schlechtes Gewissen zu ignorieren. Allerdings muss ich lernen mich in meiner FREI-Zeit nicht nur um den Haushalt zu kümmern, sondern auch das zu tun, was mir Spaß macht.
  3. Anforderungen herabsetzen – ab heute gilt: ein Termin pro Tag. In der Vergangenheit habe ich oftmals versucht vieles miteinander zu verbinden. So wurde auf dem Weg zum Arzt noch schnell der Großeinkauf gemacht oder der Besuch bei einer Freundin mit einem Umtausch in der Stadt verbunden. Am Ende des Tages war ich gestresst und unzufrieden und hatte kaum Zeit für mich selbst. Ich hoffe, dass dies durch die Ein-Termin-Pro-Tag-Regel besser wird.
  4. Ausgleich schaffen – Um meine verschiedenen Rollen ins Gleichgewicht zu bringen muss ich einen Ausgleich schaffen. Ich werde mir endlich einen Rückbildungskurs suchen und den muss Herr Schatz als Vertretung bei der Milchschnute einhalten – ohne Rücksicht auf Verluste meinerseits. Außerdem möchte ich regelmäßige Qualitytime-Termine mit uns ohne Milchschnute. Ich werde also entweder einmal pro Monat mindestens die Großeltern einladen herzukommen oder wir werden zu Beusch fahren und dann ein paar Stunden als Paar genießen. Einen Familientag möchte ich am Wochenende ebenfalls einführen.
  5. Delegieren – Die Stillmahlzeiten kann ich leider nicht an jemanden weitergeben, aber ich kann abpumpen und mir meine Zeit somit auch sichern, wenn die Milchschnute sich wieder einmal betrinken möchte und es Mami gerade überhaupt nicht passt. Schaffe ich den Einkauf nicht? Dann können wir auch einmal Gebrauch von einem Pizza-Lieferdienst machen. Muss ein Paket verschickt werden und ich komme mit der Milchschnute gerade nicht vor die Tür, so muss Herr Schatz das übernehmen. Ich muss mic einfach frei von meinem schlechten Gewissen machen und auch anderen eingestehen Opfer bringen zu müssen.

Ich würde mir jedoch auch wünschen, dass Herr Schatz seine Prioritäten etwas verschiebt und sich so strukturiert, dass er täglich feste Zeiten für seine Tochter einplant bzw. nur so viel Uni-Kram erledigt, dass noch genügend Papa-Milchschnuten-Zeit bleibt.

Letztendlich geht es hier um das Wohlbefinden der Familie – und die Mama ist der Eckpfeiler in diesem System.

Was unternehmt ihr, um nicht Amok zu laufen und wie schafft ihr es den Ausgleich zwischen euren Rollen zu schaffen? Kennt ihr dieses schlechte Gewissen auch und wisst ihr, wie ich es abschalten kann? Kennt ihr das, wenn eure Rolle als Mutter nur wenig Anerkennung findet?

 

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Kategorie Eltern, Gesundheit & Psyche
Autor

Hi, mein Name ist Sarah, ich bin 30 Jahre alt und lebe als Sozialpädagogin mit meiner Tochter, unserem Labrador und meinem Partner in Heerlen/Niederlande. Ich habe Mamagogik 2014 ins Leben gerufen, weil ich es liebe zu schreiben, meine Gedanken mit anderen zu teilen und mich auszutauschen. In meiner Arbeit ist es mir wichtig die Stärken der Menschen zu sehen und ihnen auf gleicher Augenhöhe Respekt für ihre Situation aufzubringen.

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