…und dann wird man Mutter!

Mit der Bindung ist das so: Man wird geboren und gewöhnt sich an seine Mutter und seinen Vater. Man liebt sie über alles und ist so abhängig von ihnen, dass man keine Sekunde ohne sie sein kann bzw. möchte.
Dann kommt man in den Kindergarten und kämpft sich mit herzzerreißenden Abschiedsszenen durch die erste stundenweise Unabhängigkeit.
Kommt man in die Schule, hat man sich an diese kleine Unabhängigkeit bereits gewöhnt und man wird selbstständiger, was ja auch gut ist.
Und in der Pubertät dann, wachsen einem plötzlich Flügel. Man möchte die Welt allein erkunden, auch wenn dabei einige Sturzflüge in Kauf genommen werden müssen.
Der Gipfel der Abnabelung passiert dann im jungen Erwachsenenalter: Man verlässt das Nest und wird endgültig flügge. Und dann?

Dann wird man Mutter…

Und plötzlich sehe ich mich nach einer Nacht von 3,5 Stunden Schlaf auf mein von Bauchweh abgekämpftes Baby blicken und wir sehen uns an und weinen beide aus dem gleichen Grund: Wir wollen zu unserer Mami!

Mutter Depressionen

Jetzt denkt ihr sicherlich: Die Nacht war anstrengend, sie ist überreizt und empfindlich!

Nein, ich habe eine gute Beziehung zu meinen Eltern! Hier fühle mich wohl und sicher.

In Zeiten der Verunsicherung suche ich mein Nest und möchte in den Arm genommen werden und sie soll mir die Haare aus dem Gesicht streichen und mir über den Kopf streicheln. Ganz genau so, wie sie es gemacht hat, als ich noch ganz klein war und mich gestoßen habe. Und auch ganz genau so, wie sie es getan hat, wenn ich mich mit jemand anderen gestritten habe und ganz genau so, wie sie es bei meinem ersten Liebeskummer getan hat.

Und auch jetzt habe ich Liebeskummer. Ich bin bekümmert über die Liebe die ich zu meiner Familie empfinde und den Fakt, dass sie nicht in meiner Nähe sind. Ich habe Heimweh!

Heimweh

Früher wuchs man in Großfamilien auf. Die Männer arbeiteten und die Frauen der Familie kümmerten sich um Haus und Kinder. Man war selten allein und konnte sich auf familiäre Unterstützung immer verlassen.
Dann kam die Emanzipation und wir Frauen durften uns selbst verwirklichen. Arbeiten gehen. Uns für oder gegen ein Leben mit Kindern entscheiden. Heute wollen wir Frauen häufig beides: Selbstverwirklichung im Beruf und in der Berufung als Mutter.

Und weil wir alle ja so schön flexibel und unabhängig erzogen wurden, nehmen wir für so ein Leben auch gerne in Kauf dem Job und der Herausforderung hinterher zu ziehen. Raus aus dem Altbewährten, der Nestwärme und rein in ein neues Abenteuer.

Als wir uns vor gut 1,5 Jahren dazu entschlossen hatten nach Aachen zu ziehen, taten wir das der Selbstverwirklichung wegen. Er ein Masterstudium an einer rennomierten Uni, ich eine Festeinstellung in der vermeintlichen Königsdisziplin der Jugendhilfe. Herausforderung und Abenteuer pur. Wer wusste denn damals, dass es ein weiterer Sturzflug werden würde?

“Und wenn es doch nichts für euch ist, dann kommt ihr eben wieder zurück!”

hatten sie damals gesagt. Was wir in diesem Satz nicht beachtet haben waren die Wörter “euch” und “ihr”. Denn so flexibel mich die Mutterschaft jetzt macht, desto gebundender sind wir natürlich an die berufliche Zukunftsperspektive von Herrn Schatz.

Versteht mich nicht falsch, ich fühle mich hier gar nicht so unwohl. Aachen ist eine schöne Stadt, die Umgebung hat eine Menge zu bieten und ich liebe unsere Wohnung. Sie ist unser Zuhause. Aber eben nicht mein Daheim.

Und gerade jetzt, wo ich ohne berufliche Beschäftigung hier Zuhause sitze, das Ende des Mutterschutzes in Sichtweite und die Elternzeit noch vor der Brust, fühle ich das Heimweh immer mehr. Ich möchte so gern mit der Milchschnute für ein bis zwei Stündchen mal auf einen Kaffee zu meiner Tante fahren oder meine Mutter anrufen und fragen, ob sie mit etwas Gebäck vorbei kommen mag, auf einen Kaffee und eine Knuddeleinheit mit ihrer Enkelin. Aber die Kilometer die uns trennen erlauben so eine Spontanität nicht.

Heimweh

Und jetzt sitzen wir in unserem Zuhause, jeder für sich. Mit einem Haufen Zeit wochentags über und warten darauf, wann ihr Wochenend-Job es zulässt, dass wir uns mal wieder sehen. Was für eine Verschwendung!

Wie ist das bei euch so? Wohnt ihr in der Nähe der Familie? Habt ihr durch eure eigene kleine Familie nun auch häufiger das Bedürfnis Zeit mit den eigenen Eltern zu verbringen? Wie geht ihr mit dem Heimweh um und wäre es für euch ein Grund um die Zelte der Wahlheimat abzubrechen und zurück zu kehren?

Bei der lieben Julia von Mama,Couch & Coach weiß ich zumindest, dass sie wieder zurück in die Heimat gezogen ist, aus mitunter eben diesem Grund und ich kann es gerade sehr gut nachvollziehen.

 

 

Bildquellen: pixabay.com

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Hi, mein Name ist Sarah, ich bin 30 Jahre alt und lebe als Sozialpädagogin mit meiner Tochter, unserem Labrador und meinem Partner in Heerlen/Niederlande. Ich habe Mamagogik 2014 ins Leben gerufen, weil ich es liebe zu schreiben, meine Gedanken mit anderen zu teilen und mich auszutauschen. In meiner Arbeit ist es mir wichtig die Stärken der Menschen zu sehen und ihnen auf gleicher Augenhöhe Respekt für ihre Situation aufzubringen.

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