Der erste Monat

Milchschnute mit einem Monat

Meine liebe Milchschnute,

jetzt bist du schon einen Monat alt – genauer gesagt 1 Monat und 8 Tage und die Zeit bis hier hin verging wie im Flug.

Es ist so schön, dass du bei uns bist und wir sind bereits in so kurzer Zeit zu einer richtigen kleinen Familie herangewachsen. So, als wenn es nie anders gewesen wäre. Und so, dass wir es anders auch gar nicht mehr wollen.

Freunde und Familie, bis auf wenige Ausnahmen, hast du bereits alle kennengelernt und gleich verzaubert. Besonders toll finden alle deine dunklen Haare, von denen du seit der  Geburt so viele hast. Alle wollen dich anschauen und mit dir kuscheln. Vor allem deine Omis und Opis genießen jede Sekunde mit dir, da wir so weit entfernt wohnen.

Spaziergang

Wir gehen so viel wie möglich raus. Du liegst gern im Kinderwagen, besonders, wenn die Sonne scheint und du durch das Verdeck die Welt beobachten kannst. Wenn der Wagen dann schön schaukelt bist du auch ganz schnell eingeschlafen.

Das Tragetuch findest du auch ganz toll. Du schmiegst dich dann ganz dicht an uns, was wir auch ganz doll genießen. So sind wir auch schon stundenlang shoppen und spazieren gegangen.

Tragetuchontour

Insgesamt bist du ein super Anfänger-Baby. Du passt dich so gut an, dass wir den Alltag gar nicht so sehr auf dich abstimmen müssen, wir nehmen dich einfach überall hin mit. Selbst bei Freunden konnten wir bis 3 Uhr Nachts mit dir bleiben, ohne dass es dich gestört hat dabei zu sein.

Du kannst bereits lächeln und wenn du gute Laune hast, strampelst du vergnügt auf dem Wickeltisch und stößt freudige Schreie aus. Das sind ganz besondere Momente für deinen Papa und mich.

Und hier sind ein paar Fakten über deine ersten Lebenswochen

Gewicht: 4020g (ganz aktuell)
Größe: 49cm
Kopfumfang: 35,5 cm
Kleidergröße: 50 (passt endlich gut), 56 trägst du bereits in Oberteilen

Das findest du toll

  • über unserer Schulter die Welt entdecken
  • Stillhütchen, denn damit findest du die Brust besser
  • mit uns zu duschen (da bist du dann ganz entspannt)
  • wenn wir dir etwas vorsingen (wahrscheinlich jedoch nur solange, bis du dir selbst die Ohren zu halten kannst)

Das findest du blöd

  • Bauchweh! (Wir auch)
  • dein Beistellbett (lieber mit Mama und Papa im Bett kuscheln)
  • den Schlafsack (dann doch lieber in der Decke gepuckt werden)

Das hat uns überrascht

Dass dir bereits nach ein paar Tagen die Söckchen nicht mehr gepasst haben, obwohl dir Kleidergröße 50 gerade so eben passt (scheinbar lebst du auf großem Fuß)

Milchschnute über dem Wickeltisch

Das hat uns Sorgen gemacht

  • die Gelbsucht, die du direkt nach der Geburt hattest und die auch erst seit einigen Tagen komplett verschwunden ist
  • das entzündete Auge, welches dir ab dem 3. Lebenstag dein linkes Auge so sehr verklebt hat, dass selbst die Ärztin sich Sorgen gemacht hat

Das machst du bereits super

  • dein Köpfchen lang hochhalten und das bereits seit deiner Geburt
  • kräftig unsere Finger umschließen
  • dich, auf dem Bauch liegend, mit den Beinen nach vorne schieben
  • mit dem Köpfchen ganz interessiert einer Rassel folgen

So schläfst du am liebsten

  • an der Milchbar
  • auf Papas Brust
  • alle Viere von dir gestreckt unter unserer großen Bettdecke

Das machen wir ganz toll

  • ruhig und entspannt bleiben (das hätte ich echt nicht erwartet)
  • flexibel bleiben
  • das Tragetuch binden (obwohl es bei den ersten Malen echt sauschwierig war)

Das müssen wir noch üben

  • Zäpfchen geben
  • einen Rhythmus finden
  • Dinge, die ebenfalls erledigt werden müssen, nicht zu vergessen

Die ersten Wochen ging es wirklich nur um das gemeinsame Kennenlernen und ich bin froh, dass Herr Schatz in den vergangenen 5 Wochen vorlesungsfreie Zeit hatte und wir dadurch die Möglichkeit hatten, uns als Familie zu finden. Es gab viel Gefühlschaos, besonders am Anfang (darüber wird es hier aber noch einen Artikel geben), aber es pendelt sich gerade ein. Spannend wird die nächste Zeit noch einmal, denn ab heute bin ich allein mit Kind und Hund, da die Uni wieder begonnen hat.

Vor ein paar Wochen,bevor die Milchschnute da war, habe ich noch gedacht, dass es sich komisch anfühlen könnte Mama zu sein. Es war etwas Neues. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie man sich dann so fühlen würde und hatte Angst mich zu sehr zu verändern oder ich dachte,  ich wäre gezwungen eine Person zu werden, die ich nur bedingt bin.

Heute kann ich sagen: Mama-Sein kommt irgendwie von allein und auch nicht schleichend, sondern das Gefühl ist mit einem Mal da und du fühlst dich, als wäre es nie anders gewesen. Ich mache viele Dinge aus dem Bauch heraus und es fühlt sich richtig an. Mama-Sein ist keine neue Rolle die ich spiele, sondern es ist ein Teil von mir, der bereits da war, bevor ich auch nur daran zweifelte.

Schafe

Ich freue mich auf das was kommt, muss aber auch schon traurig feststellen, dass die Zeit viel zu schnell vergeht. Dabei dachte ich, das sei so eine Floskel die sich Eltern so zureden.
Ich zwinge mich dazu im Jetzt zu hängen, jeden Moment zu genießen. Jeden Gesichtsausdruck sauge ich in mir auf und versuche mich, so oft es geht, in ihren Augen zu verlieren.
Und doch blinzle ich mit einem Auge in die Zukunft, freue mich auf die Milchschnute, die im Kleidchen wackelnd über die Wiese läuft und nach ihrer Mama ruft.
Und aus dem anderen Auge wische ich mir bereits eine Träne, wenn ich mir das Video aus den ersten Minuten ihrer Geburt anschaue, die schon so lang vergangen zu sein scheint. Oder wenn ich bemerke, dass ihre kleinen Händchen bereits gewachsen sind und realisiere, dass dort irgendwann vielleicht ein Verlobungsring dran stecken wird. Und dann habe ich Angst, dass sich die Zeit bis dahin wie ein Augenaufschlag anfühlen wird.

Kategorie Archiv
Autor

Hi, mein Name ist Sarah, ich bin 30 Jahre alt und lebe als Sozialpädagogin mit meiner Tochter, unserem Labrador und meinem Partner in Heerlen/Niederlande. Ich habe Mamagogik 2014 ins Leben gerufen, weil ich es liebe zu schreiben, meine Gedanken mit anderen zu teilen und mich auszutauschen. In meiner Arbeit ist es mir wichtig die Stärken der Menschen zu sehen und ihnen auf gleicher Augenhöhe Respekt für ihre Situation aufzubringen.

Kommentar verfassen