Die Panik vor der Geburt und was man dagegen tun kann

Bevor ich meinen Bericht über die Sturzgeburt zum Besten geben werde, möchte ich euch einen Artikel nicht vorenthalten, den ich eigentlich noch vor der Geburt der Milchschnute veröffentlichen wollte…

Verdrängung hilft

In den letzten Tagen vor der Geburt hatte ich so langsam Nervenflattern, da mir immer bewusster wurde, dass es bald so weit sein könnte. Die ganzen Monate zuvor konnte ich die Realität immer wieder schön unter den Teppich kehren.
Immer wenn ich an den Akt der Geburt dachte und mir Bilder von meinem hochroten Press-Kopf, blutigen Schleimmassen und ohrenbetäubenden Schmerzschreien in den Kopf schossen, packte ich sie ganz weit weg, in eine abschließbare Kiste, mit der Aufschrift: nicht vor der 40.SSW öffnen! Das hat auch ziemlich gut funktioniert. Bis zur 38.SSW.

…bis die Realität dich einholt

In der Woche lagen meine Nerven irgendwie blank. Meine Wassereinlagerungen verunstalteten mein Antlitz, sodass ich mein Spiegelbild immer wieder fragen musste: Ist das dein Ernst?! Und ich konnte, dank des Wassers in Beinen und Füßen, kaum 5 Minuten stehen, geschweige denn laufen.
Ich fühlte mich komplett gefangen und isoliert und wünschte mir nur noch, dass es endlich losgehen würde. Wahrscheinlich hat die liebe Mutter Natur das genau so geplant, damit niemand gegen Ende der Schwangerschaft denkt: “Ach, ich mag meinen Babybauch so sehr und die Geburt wird so schmerzhaft – ich mach da einfach nicht mit. Ich will die Schwangerschaft noch ein paar Wochen länger genießen!”

…und die Panik dir ins Gesicht schlägt

Allerdings brachte das herbeisehnen des Endes der Schwangerschaft auch die kleine abgeschlossene Kiste wieder zum Vorschein und die Realität klatschte mir um die Ohren. Panik. Das Baby ist da drin, das merke ich ja schon monatelang. Aber jetzt muss es da raus. Es MUSS da raus! Und das ist nichts, wovor ich mich drücken kann, oder den Staffelstab einfach jemand anderem überreichen kann. Da muss ICH durch. Ganz alleine. Ja Herr Schatz ist dabei und feuert mich an, aber die eigentliche Suppe, die muss ich allein auslöffeln.

… und dir das Gefühlschaos antwortet

Und da die Nerven und Emotionen in der Schwangerschaft immer händchenhaltend und wild kichernd mit den lieben Hormonen über die Wiese hüpfen, folgten auf die Panikattacken dann das Selbstmitleid und der Neid auf den Papa wurde groß. Warum bekommt er eigentlich alles einfach so geschenkt? Er hatte Spaß, keine Wehwehchen und kann dann einfach so seine Tochter im Arm halten, während ich durch die Hölle gehen musste für das gleiche Ergebnis!

Und dann habe ich etwas entdeckt, was mir unheimlich geholfen hat: ich habe mir Videos angeschaut, die Pärchen unter der Geburt zeigen.

Sehr ergreifend: Die Haus- und Wassergeburt von Kenneth Remmington – gefilmt von Dusti Lynn Photography


Total emotional: die Hausgeburt von Theo Brizuela – gefilmt von Hailey Bartholomew


Eine Hausgeburt, bei der die ganze Familie dabei sein kann: Etta Juliette – gefilmt von Plus One birth Films


Eine Kaiserschnittgeburt: Abram Sakata – gefilmt von Kale Fitch Films


Zeigt die Vorbereitungen und das Nachher sehr schön: Die Geburt von Aubryn Emilia -gefilmt von Copper Clover Films


Ich konnte davon gar nicht genug bekommen. Die Menschen in ihren Emotionen zu sehen, lösten in mir überwältigende Gefühle aus.

In jedem Video kann man sehen, wie die Frauen mit den Schmerzen kämpfen, wie der liebe Partner und auch andere Familienmitglieder mit leiden und alles versuchen, um der werdenden Mama die Geburt etwas zu erleichtern.
Man sieht wieviel körperlich anstrengende Arbeit in so einer Geburt steckt und die Frauen bis an ihre Grenzen gehen.

Und dann ist da dieser Augenblick. Man sieht es in den Gesichtern der Frauen, in der Sekunde, wenn aus dem schmerzerfüllten Gesicht ein erleichtertes Weinen vor Freude wird und die Schreie unter der Geburt einem glücklichen Lachen weichen.

Und ab da wusste ich: alles wird gut. Es wird vorher einmal richtig Scheisse, aber danach wird es RICHTIG GUT!
Mir liefen die Tränen, jedes Mal, wenn ich diesen Augenblick in jedem einzelnen Video entdeckte und es machte mir Mut. Ich freute mich auf diese Erfahrung, denn ich konnte das Glück dieser frisch gebackenen Familien nicht nur sehen, ich konnte es irgendwie spüren. Und ich wollte es auch! Und jeder Heulkrampf, den diese Videos in mir auslösten, erleichterten mich ungemein.

Natürlich ist es kein gemeingültiger Tipp, der wie ein Zauberstab die Panik jeder Schwangeren einfach so verschwinden lassen kann. Und wahrscheinlich war ich einfach mal wieder Hormonbetrunken. Aber ich wollte diese Videos gern mit euch teilen, weil sie einfach so wunderschön emotional sind. Sie nichts beschönigen und es auch nicht schlimmer machen, als es ist. Sie machen es zu dem, was die Geburt ist: natürlich,
realistisch und unfassbar emotional!

Ich würde mich wirklich darüber freuen, wenn ihr mir erzählen würdet, was ihr von den Videos haltet und was sie in euch auslösen. Vielleicht ist es bei euch ja auch komplett gegenteilig und ihr bekommt noch mehr Angst vor der Geburt (das wäre natürlich fatal!) oder ihr findet es ekelig und haltet es als einen zu großen Einblick in die Intimsphäre einer Familie. Egal was ihr davon haltet: berichtet :smile:

 

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Kategorie Eltern, Elternschaft, Geburt, Schwangerschaft
Autor

Hi, mein Name ist Sarah, ich bin 30 Jahre alt und lebe als Sozialpädagogin mit meiner Tochter, unserem Labrador und meinem Partner in Heerlen/Niederlande. Ich habe Mamagogik 2014 ins Leben gerufen, weil ich es liebe zu schreiben, meine Gedanken mit anderen zu teilen und mich auszutauschen. In meiner Arbeit ist es mir wichtig die Stärken der Menschen zu sehen und ihnen auf gleicher Augenhöhe Respekt für ihre Situation aufzubringen.

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