Überdosis: Hormone

Seifenblase

Im Moment ist mein Nervenkleid so dünn wie ein Negligé. Ein überaus Reizbares!

Gestern zum Beispiel saß ich vor meiner Spülmaschine heulend auf dem Fußboden – Die Pfannen und Töpfe wollten ihren Platz nicht finden, es war anstrengend mich zu bücken, der Bauch war im Weg und der Mist wollte einfach nicht passen. Ich knallte die Tür der Maschine so fest, dass es im inneren nur so rumste. Als ich sie dann nochmal öffnete, bemerkte ich, dass der Topf den Wasserarm blockierte und das Geschirr somit nicht sauber werden würde. Das wars: Dammbruch in Aachen!

Während Herr Schatz, von dem Lärm der knallenden Tür alarmiert, zu mir eilte, saß ich schluchzend auf dem Boden und bemitleidete mich selbst. Als mein Lieblingsmensch dann strukturiert und ganz easy-peasy die Maschine neu einordnete, kam ich mir doch ein wenig doof vor. Umarmungen und tröstende Worte vom Babybauch-Verursacher wirken wie eine tolle Sofort-Medikation!

Eine weitere Krise verursacht der Blick in den Spiegel oder auf aktuelle Fotos. Ich habe das Gefühl ich hab ein Pfannkuchen-Gesicht bekommen, dass beim Lachen nur noch kleine Schlitze von den Augen übrig lässt! Zudem kommen Chicken-Wings an den Armen und Elefantenstampfer anstelle von Beinen hinzu. Ich mag meinen Babybauch immer noch sehr, aber warum versucht sich meine restliche Silhouette an diese Wölbung anzuschließen?

Und dann wäre da noch dieses Gefühl der Vernachlässigung, das selbst hochkommt, wenn der Postbote einen Tag länger auf sich warten lässt, als es sonst üblich ist.
Der Leela-Launebär legt sich lieber auf den Fußboden, anstatt zu mir auf die Couch, wenn sie mich doch eigentlich trösten soll, weil der Film gerade so traurig ist.
Herr Schatz lernt und lernt und lernt… Und fährt morgen zu UNSEREM Festival (was ich ihm natürlich von Herzen gönne – außerdem noch Regen, einen Totalausfall der Akustik während der Konzerte und warmes Bier!), während ich mich bei meinen Eltern einniste, um nicht völlig debil zu verenden und dabei noch auf meine Mum verzichten muss, weil sie das ganze Wochenende arbeiten muss!

Ihr merkt es: Drama, Baby, Drama!!!

Ach und apropos Baby: diese kleine Knatschziege wird eindeutig die Intelligenz ihres Vaters, zu diesem Zeitpunkt, noch nicht besitzen können, denn dieses Kind versucht sich seit Tagen einen Durchbruch durch meine Bauchdecke zu graben. Vielleicht möchte sie auch einfach nur ein Fenster in ihre Bauchwohnung installieren. Dann wird sie eben Bauarbeiterin, auch gut! Oder ich bringe in 9 Wochen einen Maulwurf zur Welt. Egal, ich lieb dich trotzdem, Knutschkugel!

Ich bin mir nicht sicher, was der Grund für meine sensiblen, kackbratzigen, unselbstbewussten Gefühlstornados ist, aber ich find es sehr anstrengend und kann mir nur schwer vorstellen, wie es Herrn Schatz oder der Stimme am anderen Ende der Telefonleitung (schönen Gruß an dieser Stelle, Mama!) dabei gehen muss.

Meine Hormone verneigen sich und applaudieren eurem Geduldsfaden. Und das Baby tanzt im Takt dazu Samba in meinem Bauch!

Ich mache jetzt frustshopping und lege meine angeschwollenen Füße nach oben.

 

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Kategorie Kolumnen
Autor

Hi, mein Name ist Sarah, ich bin 30 Jahre alt und lebe als Sozialpädagogin mit meiner Tochter, unserem Labrador und meinem Partner in Heerlen/Niederlande. Ich habe Mamagogik 2014 ins Leben gerufen, weil ich es liebe zu schreiben, meine Gedanken mit anderen zu teilen und mich auszutauschen. In meiner Arbeit ist es mir wichtig die Stärken der Menschen zu sehen und ihnen auf gleicher Augenhöhe Respekt für ihre Situation aufzubringen.

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