Dschakkeline vs. Nele – Den Babynamen richtig auswählen

Ich bin mit meinem Vornamen zufrieden. Ich finde er passt gut zu mir. Er ist kurz, klingt sanft und er bietet keine Möglichkeit zu blöden Verniedlichungen.

Ich hatte aber auch echt Glück. Meinen Vornamen verdanke ich der emotionalen Verneblung meines Vaters, der auf die Frage der Hebamme nach meinem Namen, direkt nach der Geburt, nur noch mit Tränen in den Augen, mit Blick zu meiner Mutter gewandt, stammelte: “Entscheide du!”. Und meiner Mutter kam dann der Name ‘Sarah’ zum ersten Mal in den Kopf und der sollte es sein. Rein intuitiv. Danke Mama; danke liebes neuronales Netz in Papas Kopf.

Wäre es einige Stunden vorher nach meinem Vater gegangen, hätte ich Jaqueline oder Monique geheißen. Am liebsten Jaqueline-Monique, das klingt so schön französisch, erzählt er heute noch sehr gern. Ist ja auch total klar, da unser Nachname ja so schön polnisch klingt.
Wäre es also nach meinem Vater gegangen, wäre mir wohl eine Karriere als Softporno-Darstellerin sicher gewesen: Jaqueline-Monique Lojewski – Im Teufelskreis der Leidenschaft. Super.

“Nenn’ ich dich, so kenn ich dich”

Andreas Hofer (1767-1810), Tiroler Freiheitskämpfer

Wie Die Zeit vor einigen Monaten schon berichtete, haben Vornamen eine bestimmte Wirkung auf die Menschen. Jeder verknüpft eigene Erfahrungen und spezielle Attribute mit den jeweiligen Vornamen und das kann mitunter schon Einfluss darauf haben, ob wir jemanden sympathisch finden oder nicht.

Ich gebe zu: Ich bin Jugendhilfe-geschädigt. Durch meinen Job als Sozialpädagogin zucke ich leider schon häufig zusammen, kommen mir Namen entgegen wie: Kevin, Justin, Cindy oder Jaqueline ( in meiner Heimat gern “Dschakkeline” gerufen, besonders vonne Omma ). Natürlich sind wir Pädagogen immer total vorurteilsfrei, objektiv und tragen ausschließlich Cord-Hosen.

Meine Kollegen nennen ihre Kinder gern Nele, Aurelia, Justus oder Maximilian und ebnen ihnen, laut einer Cambridge-Studie, den Weg zu einem Leben voller Waldorfpädagogik, Violinen-Unterricht und Hochschulstudium.

Ich finde beide Seiten gruselig.

Ich mag Schubladen einfach nicht. Leider lassen sich eigene Erfahrungswerte nur so schlecht aus dem Kopf löschen. Den Knopf dafür habe ich auch einfach noch nicht gefunden. Also muss ich davon ausgehen, dass meinem Kind auch nicht vorurteilsfrei entgegengetreten wird.

Nun könnten wir den Selbstversuch wagen und unsere Tochter Destiny nennen und beweisen, dass sie mit diesem Namen nicht unbedingt in einem Nachtlokal an der Stange tanzen muss, wenn sie 20 Jahre alt sein wird. Oder wir nennen sie Bente und wider erwarten spielt sie lieber im Matsch als auf dem Klavier und darf sogar mal Fruchtgummi mit Farbstoffen essen. Es könnte aber auch in die Hose gehen…

Und da unsere Knutschkugel natürlich auch kein Versuchsobjekt ist, mit dem man Mainstream-Theorien widerlegen sollte, haben wir uns anderweitig Gedanken über die Namensgebung gemacht.

Kriterien, die die Qual der Wahl vereinfachen können

  • der Name unserer Tochter sollte 3-silbrig sein, da mein Schatz einen kurzen Nachnamen besitzt
  • er sollte zum Nachnamen passen und gut klingen – Negativbeispiel: die glorreiche Namensidee meines Vaters vor 29 Jahren
  • der Name sollte gut auszusprechen sein, denn es nutzt dem Kind leider nichts, wenn es sich nicht angesprochen fühlt, ruft man sie beispielsweise Schantalle
  • der Vorname sollte ebenfalls viel Raum für persönliche Interpretationen lassen, schließlich soll es ihr einmal freigestellt sein, ob sie Astro-Physikerin oder Raumpflegerin werden möchte

Für welchen Namen wir uns letztendlich entschieden haben, werde ich noch nicht verraten. Da könnt ihr euch jetzt etwas zusammen reimen, bis das Krümelinchen dann endlich bei uns ist.

namen

Weitere Tipps zur Namenswahl

Da Männer und Frauen ja sehr unterschiedlich sein können, wird es wahrscheinlich auch häufig zu Schwierigkeiten bei der Einigung auf einen Namen kommen. So war es bei uns jedenfalls. Ihr wisst ja, Kopfmensch versus Herzmensch. Und ich hätte jedesmal verzweifeln können, wenn die anderen 50% Entscheidungsträger jeden einzelnen meiner Wunschnamen abschmetterten. Vor lauter Verzweiflung, weil wir dachten dass wir würden uns nie einig würden, legten wir schon einen Back-up Namen fest: Nr. 1 – zumindest lässt er viel Raum für Interpretationen und ist nicht negativ besetzt – die Nr. 1 ist jeder gern. Wir haben also folgendes gemacht:

  1. Vornamen gelesen (im Internet oder dem schönen Vornamen-Buch, welches der Hund dann leider in einer Sekunde des Alleinseins gefressen hat) und das so lange, bis wir nur noch einen Buchstabensalat sehen konnten
  2. Namen aufgeschrieben die uns gefallen haben (jeder fertigte eine eigene Liste an)
  3. verglichen – keine Übereinstimmung, wie sollte es auch anders sein! Ich möchte euch aber nicht den Mut nehmen, vielleicht seid ihr ja so seelenverwandt, dass es direkt klappt, dann braucht ihr Glücklichen die folgenden Punkte schon gar nicht mehr beachten
  4. Kompromisse finden – gibt es Namen auf der Liste meines Partners, die mir nur vielleicht auf Anhieb nicht gefallen, aber je öfter ich ihn ausspreche, desto besser finde ich ihn? Wir hatten uns für das Bewertungssystem: “geht gar nicht”, “oh mein Gott, das arme Kind” und “ist das wirklich dein Ernst?!” entschieden (also zwangsläufig)
  5. wenn alle Stricke reißen hilft nur eines: Zeit verweilen lassen und immer mal wieder auf die Listen schauen, denn manchmal will Gutding eben Weile haben; und manchmal hat man Glück, dann taucht ein Name auf, der zuvor gar nicht auf der Liste stand, und beide finden ihn toll :wink:

Und außerdem

Wenn ihr euch bereits für einen Namen entschieden habt, behaltet es am besten noch für euch. Die Reaktionen eurer Liebsten auf die Namenswahl eures Kindes muss nicht immer positiv sein und das kann mitunter ziemlich verwirren oder vielleicht sogar enttäuschen. Und das geht sowohl mit einem Schweigen eures Gegenübers, als auch mit einem “Aha.” als Reaktion. Jeder verbindet etwas anderes mit dem Namen und hat vielleicht schon Bilder von dem Kind im Kopf, wie es dann diesen Namen trägt und wie es dann vielleicht sein oder aussehen könnte. Stellt man die Großeltern, Freunde oder Tanten und Onkel allerdings dann nach der Geburt jedoch vor vollendete Tatsachen, wird wahrscheinlich niemand mehr seinen Kommentar dazu ablassen.

Dann wünsche ich euch jetzt fröhliches Kopfzerbrechen, buntes Buchstaben aneinander reihen und einen nicht all zu gefährlichen Schwertkampf mit eurem Partner. Und wenn ihr mögt, schreibt mir doch einfach mal eure Lieblingsnamen, Namen die “gar nicht gehen!” oder ratet mal mit, welchen Namen das Pädagogenkind dann letztendlich tragen wird.

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Kategorie Eltern, Elternschaft
Autor

Hi, mein Name ist Sarah, ich bin 30 Jahre alt und lebe als Sozialpädagogin mit meiner Tochter, unserem Labrador und meinem Partner in Heerlen/Niederlande. Ich habe Mamagogik 2014 ins Leben gerufen, weil ich es liebe zu schreiben, meine Gedanken mit anderen zu teilen und mich auszutauschen. In meiner Arbeit ist es mir wichtig die Stärken der Menschen zu sehen und ihnen auf gleicher Augenhöhe Respekt für ihre Situation aufzubringen.

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