Mamipanik – Ist der Kinderwagen auch wirklich Keimfrei?

kinderwagen wahl

So, da war ich also schwanger und hatte ab dem Moment jede Menge Zeit. Ich klickte mich aus lauter Langeweile bereits in den ersten Tagen durchs Internet, auf der Suche nach Kinderzimmereinrichtungstipps, Trends für Babykleidung und Kinderwagen… Ja, Kinderwagen! Hätte mir da schon jemand gesagt, dass es scheinbar schwieriger ist, den richtigen Kinderwagen zu finden, als einen PKW-Neuwagen, dann wäre ich wahrscheinlich entspannter an die Sache heran gegangen…

Blödsinn! Ich hätte wahrscheinlich eine lapidare Geste mit meiner Hand gemacht und mich und meine Fähigkeiten gnadenlos überschätzt.

Ganz ehrlich? Wieviel Persönlichkeitsentwicklung können denn bitte zwischen 3 Tagen liegen?

Ich war, um ehrlich zu sein, noch nie ein gnadenloser Verfechter von Öko-Sachen. Ich mag H&M-Klamotten, esse gern mal Mahlzeiten mit Farbstoffen oder Geschmacksverstärkern und verzichte nur ungern auf mein Auto, um überteuerte Fahrkartenpreise bei den öffentlichen Verkehrsmitteln auszugeben.

Da der Krümmel-Papa aber ein Kopfmensch ist, durchforstet er bei neuen Anschaffungen als allererstes die großen Weiten des Internets nach Tests und Rezensionen und wählt danach das richtige Produkt. Logisch.
Die Mamagogin ist aber ein Herzmensch und ihr Herz schlägt einfach bei schönen Dingen höher, egal was Statistiken oder Testberichte so sagen. Klaaaar, ich wäre ja dumm, wenn ich es gar nicht beachten würde, wenn Dinge nicht halten was sie versprechen, aber wenn es trotzdem schön aussieht, gut riecht oder flauschig ist, dann beginne ich zuerst zu jammern, dass das schönere Produkt nicht das bessere ist, bevor ich mich von meinem Lieblings Kopfmenschen dann zur Vernunft rufen lasse.

Ja, und so war das dann auch bei der Qual des Kinderwagens.
Als der Krümmel-Papa sah, dass ich mir meine Langeweile damit vertrieb, Kinderwagen anzuschauen, nutzte er kurzerhand also seine selbstverordnete Lernpause um das Netz umzukrempeln.
Während ich mir noch Retrokinderwagen mit Weißwandrädern ansah und völlig dahin schmolz, spukte die Suchmaschine einen Schreibtisch weiter den Ökotest von 2009 aus. Und damit konnte das Drama beginnen:

Wir waren geschockt von den Testergebnissen, die ergaben dass viele, auch namhafte, Kinderwagen Hersteller Materialien für die Kinderwagen verwendete, die durch den Schadstofftest gefallen waren. Für uns stand fest, unser Kind nicht in eine Dunstglocke von krebserregenden Giftstoffen legen zu wollen. Wir klickten uns also durchs große Netz, lasen Rezensionen, weitere Testergebnisse und stießen auf den Hersteller Naturkind. Dieser Kinderwagen besteht nur aus Naturmaterialien und ist vollkommen Schadstofffrei. Wir sahen uns gemeinsam die verschiedenen Modelle an und lasen uns die Informationen durch. Es klang alles sehr vernünftig und wir hätten uns verantwortungslos gefühlt, hätten wir eines dieser billigen Asien-Produkte gewählt, die es bereits für etwas über 200€ in einem bekannten Auktionshaus gibt. Denn Rezensionen zu Folge mussten diese Kinderwagen sogar bis zu 3 Wochen auslüften, um den giftigen Plastikgeruch auch nur ansatzweise zu verbannen.

Ein paar Tage später wollten wir den Kinderwagen austesten und da wir sowieso in der Nähe waren, fuhren wir nach Essen in den Laden, der die Natukind-Kinderwagen ausstellte.
Wir probierten beide Modelle aus und einigten uns gemeinsam, dass ein Wagen mit Schwenkrädern dann doch einfacher zu führen sei. Hiermit kommt man ganz leicht um jede Ecke und wenn sie sich feststellen lassen, kann man damit sogar über unebene Straßen bzw. Waldwege. Der Retrokinderwagen mit den großen Luftreifen war also gestorben 🙁

Der einzige Nachteil an dem Öko-Kinderwagen, neben dem hohen Preis, war das Outfit mit dem die Modelle da aufkreuzten. Irgendwie sagte mir kein Muster und keine Farbgebung zu. Natürlich war es klar, dass die Farben nicht grell leuchteten, da es Naturfarben sind, die zum Einfärben des Materials benutzt werden, aber ich wollte mich auch nicht zu schnell satt sehen und den Kinderwagen dann leid sein, wenn er doch täglich in Gebrauch sein würde.
Der Krümmel-Papa konnte das Ganze nicht so recht verstehen, schließlich ist es doch nur ein Kinderwagen – der muss seinen Zweck erfüllen.
Ich finde jedoch, wenn ich das Ding täglich vor mir her schiebe, sollte es doch auch nett aussehen. Ist doch irgendwie, wie eine Handtasche – mit der man das Baby transportiert, oder nicht?!

Aber da waren dann doch diese Schuldgefühle: “Willst du dein Baby vergiften? – Du hast doch Verantwortung und jetzt dreht sich nicht mehr alles nur um dich! – Du musst vernünftig sein!” Und als ich mich mehr und mehr mit dem Thema “Öko” befasste, da merkte ich, dass wenn wir hier rigoros auf ‘Schadstofffrei’ bestehen würden, weil das Baby ständig im Kinderwagen liegen wird, dann müssen wir auch Öko-Kleidung kaufen. Diese liegt ja schließlich ständig auf der Haut. Naja und das Essen sollte dann auch nur noch Bio sein. Sollte ich meinem Kind wirklich so eine strikte Erziehung gelten lassen? Und wenn es dann 18 Jahre alt ist, tätowiert und gepierct, und sich dann nur noch von Fastfood ernährt, dann war alles für die Katz.
Ich begann darüber nachzudenken, ob das Öko-Siegel nicht doch nur das andere Extrem ist und ob es nicht langfristig besser wäre ein Zwischending zu finden. Verantwortungsbewusstes umgehen mit der Thematik, aber bitte nicht durch allerhand Einschränkungen, gegen die das Kind im späteren Alter doch nur wieder rebelliert.

Ich erkundigte mich also weiter und stieß auf das Siegel Ökotex Standard 100. Ein Zertifikat, das Produkte auf ihre Gesundheitunbedenklichkeit prüft. Und bei Babyartikeln besonders hohe Kriterien stellt.
Und siehe da, einige namhafte Kinderwagenhersteller und deren Modelle waren mit diesem Siegel versehen worden. So könnten wir uns letztendlich doch mit ruhigem Gewissen einige Kinderwagen anschauen, die auch etwas modischer aussahen, leicht zu Händeln waren und trotzdem nicht aus krebserregenden Stoffen hergestellt werden. Na und die Babykleidung wird ein paar Mal gewaschen, wenn sie neu sind oder eben gebraucht gekauft :wink:

Das Wichtigste für mich war jedoch, dass ich dadurch irgendwie doch meiner Linie treu bleiben konnte und nicht jetzt schon zu irgendeiner panikverbreitenden Mama geworden bin, die es manchmal einfach ein bisschen zu eng sieht.
Aber wer weiß, die nächste Falle wartet vielleicht schon auf mich… Ich hab da gerade irgendwas über ‘BPA’ in Schnullern und Saugern gelesen :wink:

Wie seht ihr das denn mit der Thematik? Muss es wirklich alles ‘Öko’ sein? Wusstet ihr von den Kinderwagen-Tests?

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Hi, mein Name ist Sarah, ich bin 30 Jahre alt und lebe als Sozialpädagogin mit meiner Tochter, unserem Labrador und meinem Partner in Heerlen/Niederlande. Ich habe Mamagogik 2014 ins Leben gerufen, weil ich es liebe zu schreiben, meine Gedanken mit anderen zu teilen und mich auszutauschen. In meiner Arbeit ist es mir wichtig die Stärken der Menschen zu sehen und ihnen auf gleicher Augenhöhe Respekt für ihre Situation aufzubringen.

1 Kommentare

  1. Wir haben einen Hartan, weiß jetzt den Modellnamen net (Der hat 4 gleich große Räder, keine kleineren schwenkbaren vorne). Wir haben ihn gebraucht nach drei Kindern übernommen und nutzen ihn jetzt schon für unsere zweite Tochter. Dem sieht man es nicht an, dass bereits das fünfte Kind darin gefahren wird. Jetzt werden zwar mal neue Schläuche für die Räder fällig, aber das ist auch alles. Ich kann den Hersteller echt empfehlen.

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