Was bisher geschah… Teil 2 oder Chaos im Kopf

bücher

Ich arbeitete also ca 10 Monate in dem Kinderheim für traumatisierte Kinder und Jugendliche.
Die Arbeit war intensiv und nicht immer leicht bekömmlich, aber ich fühlte mich wohl und es freute mich, dass ich einen guten Draht zu den Kindern und meinem Team hatte.

An dem Wochenende vom 1. Februar 2014 hatte ich schmerzen in der Brust, sodass mein besorgter Mathe-Geek mir drohte, wenn ich am Montag keinen Termin beim Frauenarzt machen würde, dann würde er einen für mich vereinbaren.
Gesagt getan.
Da ich in unserer neuen Heimat noch keinen FA hatte, war es nicht leicht auf die Schnelle einen Termin zu bekommen.
Erst als ich in der dritten Praxis anrief hatte ich eine engagierte Arzthelferin an der Strippe.
Als sie mich fragte, wann denn meine letzte Periode gewesen wäre, musste ich nachdenken…

datum

Ich merkte plötzlich das dies wohl Mitte Dezember gewesen sein musste.

“Dann sind sie ca. 6 Wochen drüber”

rechnete sie ganz richtig.

“Ja, stimmt…
Ach, aber ich hatte die letzte Zeit viel Stress.
Das muss ja nichts bedeuten.”

beruhigte ich mich mehr selbst, als dass ich zu ihr sprach.

“Na dann sieht das mit dem Termin schon wieder etwas anders aus.
Hören Sie zu: Sie machen einen Schwangerschaftstest und melden sich danach wieder bei uns und sollten sie schwanger sein, kann ich sie direkt im Terminplan unterbringen.
Ansonsten wird es wohl eher noch 10 Tage dauern.”

Den letzten Rest hatte ich schon gar nicht mehr richtig verarbeitet.
Ich stammelte ein kurzes

“Ja okay. Auf Wiederhören.”

Und legte auf.

Mein ‘Rechenschieber’ blickte von seinen Übungsaufgaben auf und sagte:

“Du sollst jetzt einen Schwangerschaftstest machen?”

Scheinbar war er doch Multitasking-Fähig und konnte somit aus dem Kontext meines vorangegangenen Telefonats berechnen, was nun Sache war.
Ich winkte ab und sagte:

“Ja, aber warum sollte ich schwanger sein?
Ich geh jetzt erstmal arbeiten und wenn ich morgen aus dem Dienst wieder komme, dann bring ich den Test mit.”

Rückblickend war das bestimmt nicht sonderlich einfühlsam, schließlich merkte ich ihm an, dass er es gern sofort gewusst hätte.
Aber ich musste erstmal verdauen, was sich da gerade abgespielt hatte.

Auf der Arbeit versuchte ich so präsent wie möglich zu sein, allerdings litt ich unter starken Kopfschmerzen und irgendwie war mir schlecht.
Ich teilte via Handy meiner Mutter kurz mit, dass ich morgen einen Schwangerschaftstest machen sollte, als sie sich erkundigen wollte, ob ich einen Termin beim Frauenarzt bekommen hatte.
Daraufhin folgten etliche Smileys mit großen Augen, lachenden Mündern bis zu den nicht vorhandenen Ohren, und Herzchen.
Befremdlich.

chaos im kopf

In der Nacht lag ich im Bereitschaftszimmer und kämpfte mit dem Chaos in meinem Kopf.
Mir tat die Brust immer noch weh und ich hatte den Tag nur schwer umgekriegt, da ich wohl eine Migräne hatte.
Ich fragte mich, ob es wohl wirklich sein konnte.
Ich hatte Angst, dass mein Master-Student mir vorwerfen könne, ich hätte die Pille heimlich abgesetzt, da mein Babywunsch vor einigen Monaten noch so groß war.
Ich dachte drüber nach, was das Team und vor allem die Kids wohl denken würden, schließlich hatte ich ja vor kurzem erst angefangen dort zu arbeiten.
Und mir spukte das Szenario im Kopf herum, dass meine ‘Schwiegereltern’ mir Vorwürfe machen würden, da ihr Sohn bis dato ja sein Studium noch nicht abgeschlossen hatte.
Ich bekam noch mehr Kopfschmerzen.
Völlig gerädert machte ich die zehn Kids morgens fit für die Schule und beendete meinen Dienst.

In der Apotheke fragte ich leise nach einem Schwangerschaftstest, fast so, als könne ich das Ergebnis leise beschwören.
Die Apothekerin grinste mich an, gab mir den Test, kassierte ab und wünschte mir beim rausgehen viel Glück.
Befremdlich.
Zuhause angekommen stellte ich meine Sachen ab, erklärte dem Computer-Nerdy dass ich sehr schlecht geschlafen hatte und dass ich mich erstmal etwas hinlegen wollte, bevor ich dieses Ding anpinkeln wollte.
Ich glaube ich hätte es bewusst kaum länger herauszögen können.

Mittags hatte ich ausgeschlafen und fühlte mich einigermaßen fit um zu pinkeln.
Ich ignorierte die Nachrichten meiner Eltern auf meinem Handy, die darum bettelten Gewissheit zu haben.

Ich ging mit dem Test ins Bad und las mir flüchtig die Beschreibung durch.

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Autor

Hi, mein Name ist Sarah, ich bin 30 Jahre alt und lebe als Sozialpädagogin mit meiner Tochter, unserem Labrador und meinem Partner in Heerlen/Niederlande. Ich habe Mamagogik 2014 ins Leben gerufen, weil ich es liebe zu schreiben, meine Gedanken mit anderen zu teilen und mich auszutauschen. In meiner Arbeit ist es mir wichtig die Stärken der Menschen zu sehen und ihnen auf gleicher Augenhöhe Respekt für ihre Situation aufzubringen.

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